Konjunktur

Die amerikanische Konjunktur im dritten Quartal – und eine Anmerkung zur Lohnentwicklung in den USA

| 07. November 2014

Das Bureau of Economic Analysis hat Ende letzter Woche die erste Schätzung zum Bruttoinlandsprodukt der USA im dritten Quartal dieses Jahres veröffentlicht. Die US-Wirtschaft soll danach mit einer Jahresrate von 3,5 Prozent zum Vorquartal gewachsen sein – eine positive Überraschung. Bei näherer Betrachtung kommt allerdings sofort Ernüchterung auf. Denn Sonderfaktoren dominieren das Gesamtbild. So soll etwa der Staat im dritten Quartal fast einen Prozentpunkt zum Wachstum beigetragen haben, was bei der weiterhin in Washington verfolgten Sparpolitik ganz unglaublich erscheint. Dahinter stecken fast allein Verteidigungsausgaben. Zum Ende des US-Haushaltsjahres – das ist traditionell das dritte Quartal – ist es in dieser Kategorie nämlich zu einer geballten Ausgabenhäufung gekommen. Da hatte sich wohl etwas aufgestaut. Denn die Verteidigungsausgaben, die Teil des Bundeshaushalts sind, sind mit einer Jahresrate von 16 Prozent gewachsen. Damit ist klar: Das wird mit Sicherheit nicht anhalten, das war nur eine Eintagsfliege. Vom Staat insgesamt sind auf mittlere Sicht nur konjunkturneutrale Größenordnungen bei den Ausgaben zu erwarten, also keine spürbar positiven Wachstumsbeiträge.

Die nächste Überraschung gibt es bei den Nettoexporten, die 1,3 Prozentpunkte zum Wachstum beigetragen haben sollen (vgl. Abbildung 1). Dieser Schätzung liegen kräftig wachsende US-Exporte und schrumpfende US-Importe zu Grunde. Allerdings ist sie schon wieder hinfällig geworden, weil gestern die Zahlen zum US-Außenhandel im September ein Defizit zeigten, das deutlich höher als erwartet ausfiel. Dieser Faktor allein wird das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im dritten Quartal auf etwa 3 Prozent drücken (wobei natürlich noch weitere Revisionen das Gesamtergebnis beeinflussen werden). Ironischerweise ist das neue Apple iPhone dabei ein gewichtiger Faktor. Dieses „amerikanische“ Produkt wird nämlich in China produziert (im Sinne von Endfertigung) und von dort nach Amerika exportiert, was das bilaterale US-chinesische Handelsungleichgewicht, das ja ohnehin immerfort im Rampenlicht steht, noch weiter aufbläht. Entsprechend steigt auch das Konfliktpotential noch weiter an. In Deutschland ist man für diese Ablenkung von den eigentlichen Problemen der Weltwirtschaft sicher dankbar. In China hingegen dürfte man diese Entwicklungen – gerade auch im Hinblick auf die starke Abwertung von Yen und Euro – nicht amüsant finden.

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