EU

Die EZB senkt die Zinsen: Eine richtige Entscheidung, aber keine Lösung für die Eurokrise

| 06. Juni 2014

Vor zwanzig Jahren hätte ich mir nicht vorstellen können, dass ich einmal einen europäischen Zentralbankpräsidenten hören könnte, der offen darüber spricht, dass die Europäische Zentralbank (EZB) mit all ihren Kräften anstrebe, Wachstum und Jobs zu generieren. Gestern aber war es so weit. Weil die EZB deflationäre Tendenzen bekämpft, muss sie alles dafür tun, dass das Wachstum in Europa anspringt. Obwohl ihr Mandat sie nur dazu verpflichtet, Preisstabilität herzustellen (was sie selbst als eine Preissteigerungsrate unter, aber nahe bei zwei Prozent pro Jahr interpretiert), führt die Zielverfehlung in Richtung Deflation dazu, dass die EZB heftig mit dem Strick in Richtung Wachstum und höhere Inflation drückt, den sie zur Verfügung hat.

Ja, es ist ein Strick, den die EZB nutzt, kein Stock oder ein anderes Instrument, das stabil genug wäre, um wirklich Druck in expansiver Richtung zu machen. Eine Zentralbank kann mit ihren Instrumenten jede Inflation in kurzer Zeit in die Knie zwingen, aber eine Deflation besiegen kann sie nicht. Bevor sie aber ihre Ohnmacht eingesteht, versucht sie alles – und dafür ist sie zu loben. Sie leugnet die Deflationsgefahren nicht, sie verharmlost sie nicht, sie nimmt sogar die (lächerliche) deutsche Kritik an der „Enteignung“ der Sparer in Kauf und sie kündigt an, noch andere, unkonventionelle Mittel einzusetzen, wenn es so nicht reicht.

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