Kommentar

Grüße aus der Wohlstandssphäre

| 30. Januar 2018
istock.com/EunikaSpotnicka

»Drecksloch« sagt man nicht, Mister President! Man fabriziert zwar welche in Entwicklungsländern, gibt ihnen dann aber neutrale Namen: »Globalisierung« zum Beispiel. Oder »Freihandel«.

Die halbe Welt schien schockiert: Nein, das gehe nun wirklich nicht, dass der US-Präsident Entwicklungsländer als »Shitholes«, als »Dreckslöcher« bezeichne. Ob nun die Vereinten Nationen oder aber Staatsleute aller Herren Länder, die Trump gemeint haben könnte: Die Empörung war groß. Auch bei den US-Demokraten regten sich Widerworte, der Präsident müsse da schon etwas mehr Pietät walten lassen. Nun ist freilich klar, dass dieser Mann überhaupt keinen Hehl aus seinem rassistischen Menschenbild macht. Er benutzte dieses Wort vor allem deswegen, weil er sich despektierlich über Menschen äußern wollte, die im reicheren Teil der Erde als Flüchtlinge oder Arbeitsnomaden ankommen, um dort ihr Glück zu finden.

Dennoch thematisierte er – ungewollt wie fast immer – eine traurige Wahrheit: Natürlich sind viele Länder, die er gemeint hat, mit der Bezeichnung nicht völlig falsch skizziert. Warum hoffen die Menschen aus jenen Ländern denn, dass sie im reichen Westen, in den USA oder in Europa ein Plätzchen finden? Doch nicht, weil sie bloß Abenteurer oder Weltenbummler sind. Und ebenso wenig, weil sie es als ihre Berufung ansehen, irgendwo in Hannover, Bordeaux oder Philadelphia Toiletten zu reinigen oder zu kellnern, weil ihre fachliche Qualifikation in ihrem neuen Leben nicht anerkannt wird. Nein, diese Leute kommen, weil ihre Heimat eines nicht ist: Ein sauberes, ein geordnetes Land, in dem man gerne und gut lebt.

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