Soziales

Mit der Flatrate zur Genesung?

| 18. Februar 2019
istock.com/sudok1

Die geplante Reform des Gesundheitswesens erinnert an einen Chirurgen, der ein gebrochenes Bein mit Lymphdrainagen und Hauttransplantationen beheben will.

Ohne Jens Spahn jetzt zum Besten aller möglichen Gesundheitsminister erklären zu wollen: Manchmal trifft er einen Nagel auf den Kopf – auch wenn das vielen offenbar nicht passt. Da war zum Beispiel diese Geschichte vor einigen Monaten. In den sozialen Netzwerken steppte der Bär, weil Spahn in einem Interview gesagt hatte, dass »wenn von einer Million Pflegekräften 100.000 nur drei, vier Stunden mehr pro Woche arbeiten würden […] schon viel gewonnen« wäre. Tausende empörten sich, die heute-show hielt dagegen, wenn Spahn nur drei, vier Stunden weniger denken würde pro Woche, blieben uns viele »beschissene Ideen erspart«. Dieser Konter erhielt natürlich viel Beifall.

Den direkt vorangegangenen Satz des Gesundheitsministers hatte man in der nachmedialen Aufarbeitung schlicht unterschlagen. Er lautete: »Außerdem haben viele Beschäftigte in Heimen und ambulanten Diensten ihre Stundenzahl reduziert, sodass wir auch ein Auge auf die Arbeitsbedingungen werfen müssen.« Damit hört sich Spahns Äußerung schon etwas anders an, denn er sprach den Alltag im Pflegebetrieb an: Die Situation ist nämlich mitunter so stressig, brennt die Mitarbeiter so aus, dass sie nicht mehr in Vollzeit arbeiten wollen und können. Hier anzusetzen, um ein Klima zu schaffen, in dem man wieder gerne zur Arbeit geht, ist sicher nicht verwerflich.

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