<p>Warum wurden manche Länder so reich? In der Regel wird die Frage damit beantwortet, dass nicht nur innerhalb der jeweiligen Nationalstaaten auf einen freien Markt gesetzt worden sei, sondern auch nach außen hin.</p><p>Das Wirtschaftsprogramm des Washington Consensus propagierte ab den 1980er-Jahren Strukturanpassungsprogramme, niedrige Zölle und verlieh Institutionen wie der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds erhebliche Macht, um eine globale Wirtschaftsordnung des freien Marktes zu etablieren. Interessanterweise haben die Entwicklungsländer von diesen Maßnahmen kaum profitiert.</p><p>Aber ist das wirklich überraschend? Wohl kaum: Die heute entwickelten Länder haben ihren Aufstieg keineswegs dem freien Markt zu verdanken. Das ist die zentrale These des Buches „Kicking Away the Ladder“ von Ha-Joon Chang, der erklärt, dass starke staatliche Eingriffe wie Schutzzölle, Subventionen, gezielte Industriepolitik und die Förderung einheimischer Unternehmen entscheidend waren. Auch die Missachtung von Urheberrecht gehört zu dieser Geschichte dazu.</p><p>Erst nachdem diese Länder wirtschaftlich erfolgreich und international konkurrenzfähig geworden waren, begannen sie, Freihandel, Deregulierung und Privatisierung als allgemeingültige Entwicklungsstrategie zu propagieren. Damit aber nehmen sie den anderen Staaten die Möglichkeit, einen solchen Aufstieg zu erleben.</p><p>Mehr von Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“.</p><p><br></p><p><br></p><p>
