EU

Portugal und Griechenland haben gar keine mit Deutschland vergleichbaren Produkte... warum sollten wir da die Löhne erhöhen?

| 10. März 2015

Ein Leser schreibt uns: „Allerdings treffe ich in Diskussionen, in denen ich die Meinung vertrete, dass Deutschland die Löhne erhöhen sollte, um unseren europäischen Nachbarn bei ihrem Weg aus der Krise zu unterstützen, oft auf ein Argument, dass ich noch nicht vollständig entkräften kann: Eine Erhöhung der Löhne und eine Verringerung der Exportüberschüsse würde nicht unbedingt anderen Ländern in Europa zu Gute kommen, sondern zum Großteil Exporteuren in den USA oder Asien. Portugal oder Griechenland haben keine vergleichbare produzierende Industrie, die die deutschen Überschüsse einfach übernehmen könnte, und im Gegenzug würden mit den höheren deutschen Löhnen eher mehr Produkte aus Asien als der Euro-Zone gekauft. ... Falls dem so wäre, wären dann nicht Fiskaltransfers zwischen den Euroländern doch eine bessere (wenn auch dem deutschen Volk schwer vermittelbare) Lösung?“

Das ist in der Tat eine häufig anzutreffende Argumentation, weswegen es sich lohnt, noch einmal darauf einzugehen. Zunächst muss man sich, um die Zusammenhänge zu verstehen, vollständig von den bilateralen Verhältnissen lösen. Es geht in der Tat nicht darum, dass Griechenland plötzlich Autos baut, die vorher in Deutschland gebaut worden sind. Es geht aber auch gar nicht um Griechenland und Portugal, sondern um die gesamte europäische Währungsunion, einschließlich Frankreichs und Italiens. Die letztgenannten haben jede Menge Produkte, die auch direkt mit Deutschland im Wettbewerb stehen und zwar auf dem europäischen Markt, aber auch auf den Weltmärkten. Würden also Frankreich und Italien mehr Autos auf der Welt absetzen zu Lasten Deutschlands, könnte es durchaus auch sein, dass Griechenland und Portugal mehr Wein und Käse verkaufen können, einfach, weil bei höheren Einkommen in Italien und Frankreich eine größere Nachfrage für diese Produkte entstünde.

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