Stromausfall in Berlin: Sabotage legt Schwächen der Energieversorgung offen
Stromausfall in Berlin-Lichterfelde: Der Anschlag auf Kabel am Heizkraftwerk trifft einen kommunalen Energieversorger und offenbart die Sicherheitslücken bei kritischer Infrastruktur.
Nach Sabotageakten an Stromkabeln in der Nähe des Berliner Heizkraftwerks Lichterfelde ist es in Teilen der Hauptstadt zu Stromausfällen gekommen. Tausende Haushalte waren zeitweise ohne Versorgung. Die Ermittlungsbehörden gehen von einem gezielten Angriff auf kritische Infrastruktur aus. Eine Gruppe, die sich selbst als „Vulkangruppe“ bezeichnet, bekannte sich zu der Tat.
Der Vorfall hat nicht nur erhebliche Einschränkungen für Verbraucher verursacht, sondern auch strukturelle Schwächen der Berliner Energieinfrastruktur offengelegt. Dazu zählen fehlende Redundanzen in der Absicherung zentraler Netzknoten, eine hohe physische Zugänglichkeit sensibler Anlagen sowie eine vergleichsweise langsame Wiederherstellung der Stromversorgung. Sicherheitsbehörden prüfen nun, inwieweit bestehende Schutzkonzepte angepasst werden müssen.
Inhaltlich begründet die „Vulkangruppe“ den Anschlag mit einer Kritik an der fossilen Energiewirtschaft. Die Wahl des Ziels wirft jedoch Fragen auf. Das betroffene Heizkraftwerk Lichterfelde ist seit seiner Rekommunalisierung im Eigentum des Landes Berlin und wird von der landeseigenen Berliner Energie und Wärme GmbH (BEW) betrieben. Zuvor gehörte die Anlage zum Vattenfall-Konzern. Der Anschlag traf damit keine privatwirtschaftlichen Energieunternehmen, sondern öffentliches Eigentum und eine für die Versorgung der Stadt zentrale Infrastruktur.
Das Kraftwerk Lichterfelde wurde bereits in den 1980er Jahren von Schweröl- auf Erdgasbetrieb umgestellt. In den vergangenen Jahren hat die BEW zudem ihre Erzeugungsstruktur schrittweise umgebaut. 2017 wurde das letzte Braunkohlekraftwerk des Unternehmens auf erdgasbasierte Kraft-Wärme-Kopplung umgerüstet. Diese Technologie ermöglicht eine effizientere Nutzung der eingesetzten Energie, indem Abwärme für die Fernwärmeversorgung genutzt wird, und gilt als wichtiger Bestandteil der Wärmewende. Nach Unternehmensangaben plant die BEW, bis 2030 vollständig aus der Kohleverstromung auszusteigen und bis 2045 klimaneutral zu werden. Künftig sollen unter anderem Wärmepumpen, Geothermie und Wasserstoff eine größere Rolle spielen.
Der Angriff trifft damit einen kommunalen Energieversorger, der selbst erhebliche Investitionen in die ökologische Transformation trägt. Neben den unmittelbaren Schäden für Verbraucher entstehen auch finanzielle Belastungen für die öffentliche Hand.
Zugleich lenkt der Vorfall den Blick auf den Zustand kritischer Infrastruktur insgesamt. In den vergangenen Jahren haben wiederholt Störungen, Ausfälle und Schäden an Verkehrs- und Energieanlagen die Verwundbarkeit öffentlicher Netze sichtbar gemacht. Der Anschlag in Berlin verstärkt die Debatte darüber, wie Infrastruktur künftig besser geschützt und instand gehalten werden kann – und welchen Stellenwert entsprechende Investitionen in der politischen Prioritätensetzung erhalten sollten.