Makroskop
90 Jahre General Theory

Keynes´ regulierte Ökonomie: Anregungen für eine ökologische Transformation

| 19. Februar 2026

Vom „sanften Tod des Rentiers“ bis zur internationalen Clearing-Union: Keynes’ langfristige Reformagenda könnte auch heute den Rahmen für eine sozial-ökologische Neuordnung liefern.

Wenn etwas John Maynard Keynes maßgeblich geprägt hat, dann war es ohne Zweifel die Große Depression der 1930er Jahre. Seine Überlegungen zur Bedeutung von Geld, unsicheren Erwartungen, Investitionsverhalten oder effektiver Nachfrage sind ohne die Wucht dieser fundamentalen Krise nicht zu verstehen. Zahlreiche seiner Aufsätze und Streitschriften dienten dem Zweck, mit geeigneten staatlichen Maßnahmen diese Krise zu überwinden.

Dies hat zu der vorherrschenden, insbesondere durch Hicks (1937) und später durch Samuelson (1946) geprägten Auffassung geführt, Keynes Anliegen sei die aktive Konjunkturpolitik gewesen. Immer dann, wenn aus exogenen Gründen der verschiedensten Art vom allgemeinen Gleichgewichtspfad, wie ihn zuerst Walras (1874) und später beispielsweise Arrow / Debreu (1954) modelliert haben, abgewichen wird, kann mit keynesianischer Konjunkturpolitik gegengesteuert werden.

Den berühmtesten Ausdruck fanden diese Überlegungen im bekannten IS-LM-Modell. Aber auch der Neukeynesianismus folgt dieser Logik. Kurzfristig könne demnach der keynesianische Instrumentenkasten hilfreich sein, für die lange Frist habe er allerdings nichts anzubieten.

Obwohl diese Verkürzung schon sehr früh als Bastardkeynesianismus bezeichnet wurde (Harcourt 2018), konnte die Auffassung vom „Keynes der kurzen Frist“ fest innerhalb der Mainstreamökonomie verankert werden.

Keynes Ansatz einer umfassend regulierten Ökonomie

Tatsächlich spiegeln diese Modelle nicht einmal Keynes Konjunkturanalysen korrekt wider, da so elementare Aspekte wie Unsicherheit und Erwartungen oder Inflationsgefahren keine ausreichende Berücksichtigung finden. Vollends ignoriert wurden die zahlreichen Ausführungen von Keynes zu den langfristigen Perspektiven kapitalistischer Ökonomien und den sich daraus ergebenden wirtschaftspolitischen Anforderungen.

Im Kontext einer ökologischen Transformation sind vor allem drei von ihm thematisierte Bereiche von Interesse, auch wenn er sich ökologischen Fehlentwicklungen nie gewidmet hat. In diesen Bereichen gehen seine Vorstellungen weit über die Formation des gegenwärtig existierenden Kapitalismus hinaus. Sie widmen sich a) einer umfassenden Kontrolle der Investitionen, b) einer radikalen Veränderung der Vermögensverteilung und der Abschaffung von leistungslosen Vermögenseinkommen und c) einer regulierten und entschleunigten Globalisierung.

 a) Umfassende Kontrolle der Investitionen

Keynes war davon überzeugt, dass auf Dauer kurzfristige konjunkturelle Korrekturen des Marktgeschehens nicht reichen, um folgenschwere Krisen in den kapitalistischen Ökonomien zu vermeiden. Daher schlug er vor (Keynes 1936: 319), große Teile der Investitionen zu sozialisieren. „Ich denke mir daher, dass eine ziemlich umfassende Verstaatlichung der Investitionen sich als das einzige Mittel zur Erreichung einer Annäherung an Vollbeschäftigung erweisen wird.“

Dabei ging es ihm nicht um eine planwirtschaftliche Kontrolle der Investitionstätigkeit. Stattdessen wünschte er sich „halb-autonome Körperschaften im Rahmen des Staates ..., die unter normalen Umständen innerhalb bestimmter Grenzen großenteils autonom sind, aber letzten Endes der Souveränität der Demokratie, die sich im Parlament verkörpert, unterstehen.“ (Keynes 1926: 111)

Er unterschied zwei Bereiche. Erstens Unternehmen, die für die öffentliche Daseinsvorsorge, also Wasserversorgung, Eisenbahngesellschaften, Häfen, etc. verantwortlich sind. In diesen Sektoren sollten private Unternehmen weitgehend abgeschafft werden. Zweitens befürwortete er, dass privatwirtschaftlich agierende Großunternehmen – insbesondere Aktiengesellschaften – vergesellschaftet werden:

„Eine der am wenigst bemerkten und interessantesten Entwicklungen der letzten Jahrzehnte ist die Tendenz der Großunternehmen, sich selbst zu sozialisieren. In der Entwicklung eines Großunternehmens kommt ein Moment, (…) in dem die Kapitalbesitzer, das heißt die Aktionäre, fast gänzlich von der Verwaltung losgelöst sind.“ (Keynes 1926: 112) 

Zu den Großunternehmen zählen auch Großbanken. Auch Joseph Schumpeter (1975: 218) ging davon aus, dass der klassische Unternehmer in Aktiengesellschaften vom Management ersetzt wird und die Bourgeoisie als Klasse ihre Funktion verliert.

Mit diesen Sozialisierungen sollte der Freiraum für unternehmerisches Wirken gerade bei kleineren und mittleren Unternehmen nicht unnötig beschränkt werden (Keynes 2025; 2026). Auch die sozialisierten Großunternehmen sollten weiterhin auf Märkten miteinander konkurrieren.

b) Radikale Veränderung der Vermögensverteilung und Abschaffung von leistungslosem Vermögenseinkommen

Nehmen die Eigentümer der Aktiengesellschaften keine unternehmerischen Funktionen mehr wahr, dann liegt der „sanfte Tod des Rentners, des funktionslosen Investors“ auf der Hand. Denn Dividenden und Zinsen „sind heute keine Belohnung für ein wirkliches Opfer, sowenig wie die Pachtzinsen von Land“ (Keynes 1936: 317).

Es handelt sich somit um leistungsloses Einkommen in gigantischem Ausmaß. Dazu kommt, dass das heutige Funktionieren von Aktiengesellschaften alles andere als effizient ist. Das Shareholder-Value-System, das sich in den 1990er Jahren etablierte, hat zu einer dysfunktionalen Kurzfristorientierung der Unternehmensstrategien geführt.

Selbst Alfred Rappaport (2005), einer der Väter des Shareholder-Value-Systems, geißelte später die Ineffizienz der Orientierung am Kurswert der Aktien eines Unternehmens. Dazu kommt, dass das Management in modernen Aktiengesellschaften sich geradezu schamlos einen Großteil der Wertschöpfung der Unternehmen aneignet.

Bei den 56 umsatzstärksten deutschen Unternehmen lag das Median-Gehalt von CEOs 2024 bei rund 4,4 Millionen Euro. Das bedeutet einen Anstieg von 21 Prozent gegenüber 2019, verglichen mit einem Reallohnzuwachs aller abhängig Beschäftigten im selben Zeitraum von 0,7 Prozent (Oxfam 2025). Diese Gehälter basieren ebenso wenig auf Leistungen wie Zinsen oder Dividenden.

Eine risikobereinigte reale Verwertungsrate von null als Folge des „sanften Tod des Rentners“, brächte noch einen anderen Vorteil. Sobald ein positiver Zinssatz existiert entsteht ein neues Kostenelement. Da die Wahl der Technik bei einer Investitionsentscheidung von den einzelnen Kostenelementen, also vom Zinssatz beziehungsweise der Mindestprofitrate abhängt, wird bei einem positiven Zinssatz nicht mehr die physisch effiziente Zeitspanne beziehungsweise die effizienteste Technik für eine Investition gewählt, sondern eine physisch weniger effiziente (Keynes 1936: 181).[1] Dieser Aspekt ist für eine ökologische Transformation von Bedeutung.

Die Höhe des Vermögenseinkommens eines Haushaltes hängt selbstredend vom Vermögensbestand ab. Dieser Aspekt führt unmittelbar zu den Erbschaften. Für Keynes (1925) war Vererbung ein Relikt des Feudalismus, das der Logik einer Leistungsgesellschaft widerspricht und negativ wirkt. „Nichts führt eine gesellschaftliche Einrichtung mit größerer Sicherheit zum Verfall als ihre Fesslung an den Grundsatz der Vererbung.“ (Keynes 1925: 88)

So spricht er von der dritten Generation eines Unternehmens, die oftmals unfähig ist, ein Unternehmen gut zu führen. Als Gegenbeispiel hob er die katholische Kirche hervor, deren Führer nichts vererben können. Und in der Allgemeinen Theorie führte Keynes (1936: 315) aus: „Denn es bestehen gewisse Rechtfertigungen für Ungleichheit der Einkommen, die sich nicht im gleichen Maße auf Ungleichheit von Erbschaften beziehen.“  

Nach neueren Berechnungen halten die reichsten 10 Prozent in Deutschland 64 Prozent des aggregierten Nettovermögens, die reichsten 5 Prozent erstaunliche 51 Prozent und die reichsten 0,1 Prozent gewaltige 13 Prozent. Die unteren 90 Prozent besitzen dagegen nur rund ein Drittel des gesamten individuellen Nettovermögens (Schröder et al. 2020: 515). Diese Vermögenskonzentration wird über Erbschaften perpetuiert und verschärft, da mit steigendem Reichtum Einkommen und Ersparnisse stark ansteigen.

c) Gesteuerte Globalisierung 

Sein gesamtes wissenschaftliches Leben lang legte Keynes größten Wert auf die Analyse von Währungs- und Kreditfragen. Dem entspricht, dass er der Leiter der britischen Delegation auf dem Treffen in Bretton Woods war. Auf dieser Konferenz einigte man sich 1944 auf die Währungsordnung nach dem Zweiten Weltkrieg. Etabliert wurde ein System fester, aber politisch anpassungsfähiger Wechselkurse mit dem Ziel, tendenziell ausgeglichene Leistungsbilanzen zu etablieren. Geschaffen wurde zudem der Internationale Währungsfonds zur Unterstützung von Ländern, die ihren Wechselkurs zu verteidigen hatten, und die Weltbank zur Förderung von Entwicklungsländern. Keynes (1943) ging mit seinem Vorschlag weit über das schließlich etablierte Bretton-Woods-System hinaus, konnte sich aber mit seinen umfassenden Ideen gegen die USA nicht durchsetzen.

Im Zentrum seines Vorschlags stand eine Internationale Clearing-Union, bei der alle Zentralbanken ein Konto halten sollten. Die Clearing-Union sollte eine eigene Währung, den Bancor, schaffen, der nur von Zentralbanken genutzt werden durfte. Der Bancor sollte, analog zur Geldschöpfung nationaler Zentralbanken, aus dem Nichts geschaffen werden. Damit wäre der US-Dollar als nationale Währung für die Rolle einer internationalen Reservewährung für Zentralbanken überflüssig geworden.

Bei Ungleichgewichten in Leistungsbilanzen sollten Defizit- wie Überschussländer durch ihre Wirtschaftspolitik zum Ausgleich der Leistungsbilanzen beitragen. Bei langfristigen Ungleichgewichten, also beispielsweise der Situation eines permanenten Defizits in der Leistungsbilanz, war der Wechselkurs anzupassen.

Für Keynes (1943: 31) war klar, dass ein solches System nur mit Kapitalverkehrskontrollen funktionieren würde:

„Es gibt kein Land, das es sich in Zukunft leisten kann, Kapitalflucht aus politischen Gründen, zur Umgehung der inländischen Besteuerung (…) zuzulassen. Ebenso gibt es kein Land, das flüchtiges Kapital, das eine unerwünschte Kapitalzufuhr darstellt, sicher aufnehmen kann. (…) Aus diesen Gründen wird allgemein die Auffassung vertreten, dass die Kontrolle des Kapitalverkehrs sowohl ins Inland als auch ins Ausland ein fester Bestandteil des Nachkriegssystems sein sollte.“[2]

In der damaligen Situation einer unregulierten Globalisierung ging Keynes (1933: 154) noch einen Schritt weiter: „Ideen, Wissen, Kunst, Gastfreundschaft, Reisen – das sind Dinge, die in ihrer Natur nach international sein sollten, aber lasst Güter in der Heimat herstellen, wenn immer es sinnvoll und praktisch möglich ist, und vor allem lasst die Finanzen in erster Linie nationale sein.“ Es ist bemerkenswert, dass Wissen international sein sollte. In diesem Fall würden Patentrechte nur noch eine untergeordnete Rolle spielen.

Hätte sich Keynes seinerzeit durchgesetzt oder wäre zumindest das Bretton-Woods-System, das 1973 endgültig zerbrach, aufrechterhalten worden, wäre der mögliche Rahmen für demokratische Rechte und nationale Handlungsspielräume deutlich größer. Dani Rodrik (2011: 200f.) hat zu Recht betont, dass ein hohes Maß an Globalisierung vor allem im Bereich der Finanzen eine „goldene Zwangsjacke“ bedeutet. Denn werden Politiken gegen die Interessen der Vermögenden in einem Land eingeleitet, können diese mit Kapitalflucht und /oder Verweigerung von Investitionen antworten und das Land somit negativ sanktionieren. Vor diesem Hintergrund schlägt Rodrik die Rückkehr zu einem neu konzipierten Bretton-Woods-System vor, um demokratische Strukturen und Spielräume zu stärken.

Nutzbarmachung dieser Überlegungen für eine ökonomische Transformation

Keynes war, wie könnte es auch anders sein, ein Kind seiner Zeit. Er musste zwei Weltkriege, Hyperinflationen in mehreren Industrienationen und vor allem die Weltwirtschaftskrise mit ihren Verwerfungen auf den Arbeitsmärkten und den damit einhergehenden sozialen und politischen Katastrophen miterleben. Folglich konzentrierte er seine theoretischen Ausarbeitungen auf die Frage, wie ein hohes Beschäftigungsniveau ohne inflationäre Prozesse und soziale Zumutungen kurz- und langfristig national wie international wirtschaftspolitisch zu gewährleisten sei.

Ökologische Fragestellungen verfolgte er nicht. Dessen ungeachtet lassen sich seine Ausführungen nutzbringend auch auf eine ökologische Transformation übertragen.

Es ist für informierte Zeitgenossen mittlerweile eine Binse, dass die ökologischen Folgen des kapitalistisch geprägten Mensch-Natur-Verhältnisses komplett aus dem Ruder laufen. Die international nach wie vor steigenden Emissionen von Treibhausgasen führen zu stets neuen Temperaturrekorden mit den bekannten klimatischen Katastrophen wie Überflutungen, Stürme oder Dürren oder dem Erreichen der sogenannten Kipppunkte. Der ungezügelte Abbau von endlichen Rohstoffen führt bereits heute zu steigenden Kosten, partiellen Engpässen und internationalen Konflikten. Schließlich nimmt die Biodiversität in erschreckendem Ausmaß ab. Das alles ist bekannt, aber ein effektives nationales wie internationales Gegensteuern ist nicht in Sicht.

Angesichts dieser Misere fordern zahlreiche Wissenschaftler, ökologische Forschungsinstitute und zivile Bürgerinitiativen eine Begrenzung des Wirtschaftswachstums. Dies ist unter den gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen freilich leichter gesagt als getan. Denn eine Begrenzung des Wachstums setzt eine Kontrolle des Investitionsverhaltens und eine international harmonisierte Arbeitsteilung voraus. Da Keynes wirtschaftspolitisch gerade diese neuralgischen Punkte vor Augen hatte, liefern seine theoretischen Ausführungen wichtige Elemente für eine ökologisch alternative Politik hier und heute (Heine / Herr 2025).

Schlussfolgerung für die Wirtschaftspolitik heute

Ohne Zweifel lassen die aktuellen nationalen wie internationalen politischen Kräfteverhältnisse keine kurzfristige Umsetzung jener keynesianischen Vorstellungen zu, wie sie oben skizziert wurden. Gleichwohl lassen sich Schritte angeben, die gegenwärtig zumindest in die gewünschte Richtung führen. Diese These lässt sich in sechs Punkten konkretisieren:

Erstens: Die infrastrukturelle Ausstattung der Gesellschaft mit dem Verkehrswesen, der Energie- und Wasserversorgung, des Abfallmanagements, den Bildungseinrichtungen oder den sozialen Sicherungssystemen gehört aus ökologischen und sozialen Gründen in die öffentliche Hand. Die in diesen Sektoren erfolgten Privatisierungen sollten rückgängig gemacht und eine nachhaltige Finanzierung über Preise, Gebühren und staatliche Steuereinnahmen sollte gewährleistet werden. Hierzu gehört auch eine staatliche Sicherstellung ausreichenden Wohnraums für einkommensschwache Haushalte durch staatliche und / oder genossenschaftliche Angebote.

Zweitens: Der Finanzmarkt muss deutlich stärker reguliert werden. Das betrifft beispielsweise die Vollendung eines europäischen Finanzmarktes, die strikte Regulierung des Schattenfinanzsystems und anderer hochspekulativer Märkte oder die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen.

Drittens: Marktkonforme, ökologisch ausgerichtete Instrumente wie Ökosteuern oder Umweltzertifikate müssen verbindlich und der Höhe nach struktursteuernd eingesetzt werden. Maßnahmen dieser Art führen allerdings in aller Regel dazu, dass sozial schwache Haushalte über Gebühr belastet werden. Daher müssen sie finanziell entlastet werden. Wird dies versäumt, dürfte der politische Gegendruck so stark werden, dass die ökologischen Ziele verwässert werden. Dies bezeugen alle entsprechenden Erfahrungen.

Viertens: Große, marktbeherrschende (Aktien-) Unternehmen müssen sich bei ihren Investitionen an ökologischen Parametern ausrichten. Dies kann umfassend nur gelingen, wenn die Logik der Profitmaximierung durch eine öffentliche Steuerung durchbrochen wird. Daher sind bereits heute alle Möglichkeiten, „einen Fuß in die Tür“ zu bekommen, auszunutzen. Beispielsweise könnten staatliche Hilfen wie sie während der großen Finanzmarktkrise 2008/09 oder der Coronakrise gewährt wurden, als öffentliche Gesellschaftsanteile vergeben werden. Oder zivilgesellschaftliche Aktivitäten wie das erfolgreich durchgeführte Bürgerbegehren zur Verstaatlichung großer Wohnungsbaugesellschaften könnten politisch umgesetzt werden.

Fünftens: Die ökologischen Fehlentwicklungen sind globaler Natur und müssen global angegangen werden. Die Bewohner der ökonomisch weniger entwickelten Länder haben selbstverständlich andere Präferenzen als jene in den Industrienationen. Kämpft man ums tägliche Überleben, so rücken ökologische Problemlagen in den Hintergrund. Daher ist eine Lösung der globalen ökologischen Krisen ohne eine massive Unterstützung vor allem der Länder mit niedrigem Pro-Kopf-Einkommen unabdingbar. Zu den zentralen aktuellen Maßnahmen sollte etwa die Verhinderung weiterer Überschuldungskrisen zählen. Daher sollten ökologisch ausgerichtete Hilfestellungen nicht die Form von Krediten annehmen, sondern von nicht rückzahlbaren Zuwendungen. Flankiert werden muss dies durch technische Hilfen wie der Entsendung von Experten, der kostenlosen Lieferung technischen Equipments oder der Lockerung des Patentschutzes. Zugleich muss diesen Ländern das Recht zur Einführung von protektionistischen Maßnahmen und Kapitalverkehrskontrollen zugestanden werden. Erratische Schwankungen der Wechselkurse sind durch möglichst international abgestimmte Zentralbankpolitiken zu vermeiden.

Sechstens: Maßnahmen der skizzierten Art kosten Geld. Soll die Staatsverschuldung nicht ausufern, sind hinreichende staatliche Einnahmen über Steuern (und Gebühren) notwendig.  Mit Hilfe der Erbschaftssteuer sollte die Übertragung vor allem großer, leistungsfreier Vermögen stark begrenzt werden. Flankierend sollte die Vermögenssteuer wieder eingeführt und Einkommen deutlich stärker als zurzeit progressiv besteuert werden.

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Arrow, K., Debreu, G. (1954): Existence of an Equilibrium for a Competitive Economy. In: Econometrica, Vol. 22 (3), 265 – 290.
Harcourt, G.C. (2018): Bastard Keynesianism. In: The New Palgrave Dictionary of Economics. Palgrave Macmillan, London, 756–758.
Heine, M., Herr, H. (2025): Makromanagement einer ökologisch nachhaltigen Ökonomie, in: A. Heise, G. Grözinger, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit, Ökonomie und Gesellschaft, Jahrbuch 37, Marburg, 181-228.
Hicks, J.R. (1937): Mr. Keynes and the Classics: A Suggested Interpretation. In: Econometrica, Vol.  5(2), 147-159.
Keynes, J.M. (1925): Bin ich ein Liberaler?, wiederabgedruckt in H. Mattfeldt: Keynes. Kommentierte Werksauswahl, Hamburg, 1985, 86-95.
Keynes, J.M. (1926): Das Ende des Laissez-Faire. Ideen zur Verbindung von Privat- und Gemeinwirtschaft, wiederabgedruckt in H. Mattfeldt: Keynes. Kommentierte Werksauswahl, Hamburg, 1985, 96-116.
Keynes, J.M. (1933): Nationale Selbstgenügsamkeit, wiederabgedruckt in H. Mattfeldt: Keynes. Kommentierte Werksauswahl, Hamburg, 1985, 152-161.
Keynes, J.M. (1936): Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes, Berlin.
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Schröder, C., Bartels, C., Göbler, K., Grabka, M.M., König, J. (2020): MillionärInnen unter dem Mikroskop: Datenlücke bei sehr hohen Vermögen geschlossen – Konzentration höher als bisher ausgewiesen, DIW-Wochenbericht 29, 511-521.
Schumpeter, J. (1975) (erste englische Ausgabe 1942): Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie, vierte Auflage, München.
Walras, L. (1874), englisch (1953): Elements of Pure Economics, London, New York.

[1] Machen wir ein Beispiel. Um ein Produkt zu produzieren unterstellen wir zwei Techniken. Bei der ersten Technik wird aufgrund der Produktionsmenge nach einem Jahr ein Rückfluss von 1000 erwirtschaftet. Bei der zweiten Technik 1400 in fünf Jahren. Die Investitionskosten betragen heute I = €890. Bei einem Zinssatz von 10% ist der gerundete Vermögenswert (V) der zukünftigen Geldströme bei der ersten Technik V1 = €1000/ (1+0,1) = €909 und bei der zweiten Technik V2 = €1400/ Bei einem Zinssatz von 10% wird die erste Technik genommen (V1 >I und V2 < I), bei einem Zinssatz von 0% wird die zweite Technik gewählt (V1=€1000 und V2= €1400), die für die Gesellschaft bei permanenter Produktion des Gutes effizienter ist.
[2] Eigene Übersetzung