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Trotz Trump: Erneuerbare Energien in den USA wachsen weiter

| 05. März 2026
IMAGO / imagebroker

Die US-Energiepolitik setzt Europas Energiewende unter Druck. Mit dem Angriff auf den Iran könnte Washington den Kontinent stärker an amerikanische Gasexporte binden. Doch trotz der fossil ausgerichteten Politik wächst der Anteil erneuerbarer Energien in den USA weiter.

Die amerikanische Energiepolitik setzt Europa weiter unter Druck. Mit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran könnte Washington den Kontinent noch stärker an amerikanische Gasexporte binden. Die strategische Stoßrichtung ist klar: fossile Energien sichern Einfluss und Abhängigkeiten. Gleichzeitig zeigt sich jedoch ein paradoxes Bild. Trotz politischer Priorität für Öl, Gas und Kohle wächst der Anteil erneuerbarer Energien in den Vereinigten Staaten weiter.

Ende Februar berichtete Bloomberg, dass die USA bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen einen neuen Rekord erreicht haben. Ein wesentlicher Treiber ist ausgerechnet die Technologiepolitik der Regierung von Donald Trump. Der massive Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz lässt den Strombedarf rasant steigen. Dieser lässt sich selbst in einem fossil orientierten Energiesystem nicht mehr allein mit Gas und Kohle decken.

Zwar hat Washington zahlreiche Förderinstrumente für Windkraft, Photovoltaik und andere erneuerbare Technologien gestrichen. Doch die Subventionspolitik der Vorgängerregierung unter Joe Biden wirkt nach. Sie verschaffte der Branche genügend Dynamik, um die verschärften Rahmenbedingungen zunächst zu überstehen. Hinzu kommen strukturelle Faktoren: Die Preise für Solarzellen sinken kontinuierlich, während die Nachfrage nach Strom weiter steigt. Auslaufende Förderprogramme könnten kurzfristig sogar zusätzliche Investitionen auslösen, weil Betreiber bestehende Anreize noch nutzen wollen.

Von den Kürzungen ausgenommen blieben allerdings Programme für Batteriespeicher im sogenannten Big Beautiful Bill Act. Der Grund ist weniger ideologisch als pragmatisch: Batteriespeicher stabilisieren Stromnetze unabhängig davon, ob der Strom aus Kohle, Gas oder Sonne stammt. Für Netzbetreiber bleiben sie ein wichtiges Instrument, um kurzfristige Schwankungen bei Angebot und Nachfrage auszugleichen.

Ein besonders aufschlussreiches Beispiel liefert der Energiemarkt im Bundesstaat Texas. Dort werden Energiequellen weitgehend technologieoffen behandelt. Dieses Modell begünstigt normalerweise die bestehende fossile Infrastruktur. Doch in diesem Fall führte die Deregulierung zu einem unerwarteten Effekt: Investitionen in Batteriespeicher nahmen deutlich zu.

Der Grund liegt in den klimatischen Bedingungen. Als sonnenreicher Südstaat erzeugt Texas enorme Strommengen aus Photovoltaik. In den Sommermonaten übertrifft die Solarstromproduktion inzwischen sogar die Stromerzeugung aus Kohle. Für einen traditionell republikanisch geprägten Bundesstaat ist das eine bemerkenswerte Entwicklung.

Auch global zeigt sich eine ähnliche Dynamik. Im ersten Halbjahr 2025 überholten erneuerbare Energien erstmals die Kohle als wichtigste Stromquelle weltweit, wie die BBC unter Berufung auf den Energie-Thinktank Ember berichtete.

Trotz dieser Fortschritte gerät die Energiewende im Westen zunehmend unter Druck. Viele Industriestaaten haben ihre Investitionen in saubere Energien über Jahre zu zögerlich ausgeweitet, während der Stromverbrauch stetig weiter wächst. In den USA und in Teilen Europas gewinnen daher Kohle und Gas wieder an Bedeutung. In Washington geschieht dies aus geopolitischem Kalkül, in Deutschland auch aufgrund struktureller Probleme im Energiesystem.

Währenddessen verfolgt China eine Doppelstrategie. Das Land bleibt der größte Kohleverbraucher der Welt, baut zugleich aber seine Kapazitäten für erneuerbare Energien massiv aus. Produktion von Batterien und Solarzellen ist ohne chinesische Industrie inzwischen kaum noch vorstellbar. Energiepolitik wird damit immer stärker zum geopolitischen Wettbewerb.

Vor diesem Hintergrund wirken auch europäische Entscheidungen widersprüchlich. In Deutschland bekannte sich die Bundesregierung zwar weiterhin zu den Zielen des European Green Deal und des Paris Climate Agreement. Gleichzeitig wurde jedoch beim Gebäudemodernisierungsgesetz die verpflichtende Quote für erneuerbare Heizungen abgeschafft, was neue Perspektiven für Öl- und Gasheizungen eröffnet.

Kurz darauf eskalierte der Konflikt am Persischen Golf: Nach Angriffen der USA und Israels auf den Iran wurde zeitweise die strategisch wichtige Strait of Hormuz blockiert. Der Weltmarktpreis für Brent-Rohöl stieg daraufhin deutlich. Die zeitliche Nähe beider Ereignisse verdeutlicht, wie eng Energiepolitik und geopolitische Risiken miteinander verflochten sind.

Bundeskanzler Friedrich Merz hält derweil an der transatlantischen Partnerschaft fest und signalisiert Bereitschaft, zentrale energiepolitische Linien Washingtons mitzutragen. Für Europa, das zwischen den Interessen der USA, Russlands und Chinas steht, entsteht damit ein strategisches Spannungsfeld.

Energie war schon immer ein Instrument globaler Machtpolitik. Der ökologische Aspekt tritt in der aktuellen Lage oft hinter geopolitische Überlegungen zurück. Doch inzwischen wirken erneuerbare Energien als stabilisierender Faktor.