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Iran erlebt schwerste Proteste seit 1979 – Lockdown bleibt bestehen

| 14. Januar 2026

Die Proteste im Iran haben sich zu einer systemischen Krise ausgeweitet. Während das Regime mit Gewalt und digitaler Abschottung reagiert, rücken geopolitische Risiken in den Vordergrund. Die kommenden Tage könnten entscheidend sein – nicht nur für den Iran, sondern für die gesamte Region.

Seit Ende Dezember 2025 gehen im Iran Millionen Menschen gegen das Mullah-Regime auf die Straße. Die Proteste, die zunächst aus wirtschaftlicher Unzufriedenheit heraus entstanden, haben sich zu einer der schwersten Landeskrisen seit der Revolution von 1979 entwickelt. Das Ausmaß der staatlichen Gewalt ist drastisch: Menschenrechtsgruppen und Netzwerke berichten von tausenden Toten in der landesweiten Niederschlagung – Zahlen reichen von etwa 2.500 bestätigten Opfern bis hin zu Schätzungen von bis zu rund 12.000 Toten.

Die iranischen Behörden haben Mitte Januar den Luftraum zeitweise geschlossen und wieder geöffnet, ein ungewöhnlicher, sicherheitspolitisch aufgeladener Schritt, der internationale Aufmerksamkeit auf mögliche Konfliktdynamiken zwischen Teheran und Washington lenkt. Parallel bleibt der annähernd vollständige Internet-Shutdown bestehen, der nun bereits mehrere Tage andauert und das Land nahezu vollständig von der globalen digitalen Kommunikation abkoppelt – eine der längsten und umfassendsten Abschaltungen weltweit.

Unter dem Internetausfall leiden nicht nur Organisation und Mobilisierung der Aufstände, sondern auch Alltag und Wirtschaft. Immer wieder berichten Beobachter, dass Satellitentechnologien wie Starlink genutzt werden, um zumindest punktuelle Kommunikationskanäle zu öffnen; diese werden jedoch von staatlichen Kräften aktiv gestört, teils unter Einsatz spezialisierter Störtechnik. Zudem hat der Staat vereinzelte Mobilfunkanbindungen wieder freigegeben, während SMS-Nachrichten und internationaler Internetzugang weiterhin weitgehend blockiert bleiben.

Überall im Land, von Teheran bis zu kleineren Städten, sind Sicherheitskräfte präsent, oft mit militärischer Waffengewalt gegen Demonstranten. Videos zeigen Schüsse in Menschenmengen in mehreren Städten, Krankenhäuser sind mit Verletzten überfüllt und notdürftig versorgt. Die Protestbewegung bleibt trotz der Unterdrückung sichtbar, auch wenn die tägliche Zahl der Großdemonstrationen laut Beobachtern zeitweise abgenommen haben soll.

Parallel zu dieser inneren Eskalation hat der Konflikt eine gefährliche internationale Dimension erreicht. US-Präsident Donald Trump hat wiederholt die iranische Führung vor weiterer Gewalt gegen Demonstrierende gewarnt und erklärt, er werde „entsprechend reagieren“, falls Demonstranten massenhaft hinrichtet werden oder die Repression nicht aufhöre. Zugleich lässt er Optionen offen, die von diplomatischen Sanktionen bis zu Militärschlägen reichen könnten. Teile europäischer Regierungsvertreter äußern die Befürchtung, ein US-Militärschlag gegen den Iran könne bereits innerhalb der nächsten 24 Stunden bevorstehen – eine potenzielle Eskalation, die viele Staaten in der Region in Alarmbereitschaft versetzt.

Irans offizielle Linie ist Zurückhaltung und Warnung zugleich: Teherans Außenminister Abbas Araqchi ruft zu Diplomatie auf und bestreitet Massenhinrichtungen, während andere Staatsvertreter andeuten, dass ein ausländischer Angriff zu Gegenmaßnahmen gegen westliche Interessen in der Region führen würde.