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Steigende Mietpreise: Städte werden immer teurer

| 27. Januar 2026
IMAGO / Sabine Gudath

Mietpreise steigen deutlich schneller als die allgemeinen Verbraucherpreise. Wie die Angst vor dem Wohnraumverlust nach politischer Handlung ruft.

Die Mietpreise wurden 2025 fast doppelt so stark angehoben wie die Preise des allgemeinen Warenkorbs des Verbraucherpreisindex. Während die Inflationsrate für 2025 laut dem Statistischen Bundesamt bei 2,2 Prozent lag, stiegen die Neuvertragsmieten laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft um 4,1 Prozent – eine Erhöhung von 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Besonders hohe Mietzuwächse zeigen sich auf Jahressicht in Köln (plus 7,6 Prozent), Leipzig (plus 5,9 Prozent) und Hamburg (plus 5,4 Prozent). Auch in München, Essen und Stuttgart bleibt die Dynamik sehr hoch. Auch wenn die Großstädte die größten Anhebungen verzeichnen, zeigen sich die Steigerungen über alle Regionstypen.

Die Entwicklung reiht sich in den Trend der überdurchschnittlichen Preissteigerung für Güter der Grundbedürfnisse ein. Auch Oliver Schönborn stellte auf MAKROSKOP einen überdurchschnittlichen Anstieg bei den Lebensmittelpreisen fest.

Die Mietpreisanhebungen werden zu einer wachsenden Sorge innerhalb der Bevölkerung. Laut Mietenreport 2025 des deutschen Mieterbundes fühlen sich 13,2 Prozent der Mieterinnen und Mieter mittlerweile „extrem belastet“. Fast jeder Dritte hat Angst, sich die Wohnung in Zukunft nicht mehr leisten zu können.

Der liberale Lösungsvorschlag für das Problem lautet „Bauen, bauen, bauen“. Die Bundesregierung formuliert dabei seit Jahren Ziele für den Zubau von Wohnraum in Städten, die regelmäßig nicht erreicht werden. Auch die deutsche Mitpreisbremse führte in ihrer verabschiedeten Form nicht zu signifikanter Dämpfung der Dynamik.

In einem Artikel auf MAKROSKOP legt Nikita Hollmann die bestehenden Spielräume von Kommunen zum Dämpfen der Mietpreise dar – vom Umwandlungsverbot über das Zweckentfremdungsverbot bis hin zu städtebaulichen Verträgen. Der Autor gesteht jedoch auch ein: Die Spielräume stoßen schnell an ihre Grenzen.

Hollmann verweist auf das Positivbeispiel München: Wenn Investoren neue Baurechte wollen, etwa durch Änderung eines Bebauungsplans, verhandelt die Stadt mit ihnen über Gegenleistungen: Sozialwohnungsquoten, Grünflächen, Kitas oder Infrastrukturbeiträge. Gleichwohl sind die Münchner Mietpreise weiterhin sehr hoch.

In einem Kommentar auf MAKROSKOP plädiert Sebastian Müller für eine Stärkung der Provinz und sieht die hohen Mietkosten in Städten als Anreiz, aus den vollen Städten fernzubleiben und in die Peripherie zu ziehen. Nicht alle möchten jedoch wohl in die Provinz ausweichen und sehnen sich beispielsweise nach einem diversen kulturellen Angebot.

Andere haben in den Städten ihre Heimat, in der sie leben bleiben möchten. Extreme Mietsteigerungen vertreiben diese Menschen aus den Städten und behalten sie anderen mit hohen Einkommen und Vermögen vor. Stadtzentren allein für Wohlhabende und hochqualifizierte Eliten wäre die langfristige Folge.

Die hohen Mietkosten befördern zunehmend radikalere Forderungen: In Berlin hat sich eine Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger in einer Volksabstimmung für eine Vergesellschaftung der Wohnungsbestände großer Wohnungsunternehmen ausgesprochen. Die Debatte zeigt, wie dringend eine politische Lösung für die starken Mietpreiserhöhungen ist.