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Wie der Iran-Krieg die Anleihenmärkte aufmischt

| 25. März 2026
IMAGO / Westlight

Der jüngste Energiepreisschock sorgt für Bewegung bei den Renditen deutscher Staatsanleihen. Was die aktuellen Kurse über die Erwartungen der Märkte für die Zukunft verraten.

Mit dem Beginn des Iran-Krieges Ende Februar explodieren die Weltmarktpreise für fossile Energien. Der deutschen Wirtschaft droht ein massiver Preisschock. Nun könnte die Europäische Zentralbank auf die steigenden Preise mit einer Zinsanhebung reagieren.

Die neue weltpolitische Lage hinterlässt auch Spuren auf dem Markt für deutsche Staatsanleihen. Bei den Renditen für kurzlaufende (2 Jahre), mittelfristige (10 Jahre) und langfristige (30 Jahre) Bundesanleihen spiegeln sich unterschiedliche Erwartungen der Investoren an die wirtschaftliche Entwicklung wider.

Besonders auffällig steigen Anfang März die Tagesrenditen der kurzfristigen Bundesanleihen. Die Märkte preisen hier erwartete Zinsanhebungen der EZB infolge des Energiepreisschocks ein. Für den deutschen Staat bedeutet das: Steigen die Leitzinsen, muss er künftig höhere Zinsen für neue Anleihen zahlen.

Bei länger laufenden Papieren steigt die Rendite zwar ebenfalls, aber deutlich moderater. Normalerweise liegen die Zinsen langfristiger Anleihen deutlich über denen kurzfristiger, um das höhere Risiko der Laufzeit zu kompensieren.

Das Zusammenlaufen der Renditenkurve – wenn die Zinsen kurzfristiger Anleihen sich denen langfristiger annähern – wird als „Bear Flattening“ bezeichnet und signalisiert, dass die Märkte steigende Zinsen in naher Zukunft erwarten.

Während die kurzfristigen Papiere auf einen baldigen Anstieg der Leitzinsen schließen lassen, spiegeln die langen Anleihen die Erwartungen für die langfristige Entwicklung wider. Steigen deren Renditen nicht im gleichen Maße, interpretiert der Markt das so, dass die Realwirtschaft und die Inflation nach dem Energiepreisschock nicht kräftig zulegen, sondern stagnieren oder sogar zurückgehen könnten – und dass langfristig Zinssenkungen nötig werden könnten.

Rückblick

Ein Blick auf die letzten zwei Jahre zeigt ein anderes Bild: Bis Anfang 2025 verliefen die Renditekurven der kurz-, mittel- und langfristigen Bundesanleihen sehr eng beieinander – mit einem ungewöhnlichen Phänomen: Die kurzfristigen Anleihen rentierten deutlich höher als die langfristigen, also eine inverse Kurve.

Das Phänomen lässt sich durch unterschiedliche Zinserwartungen erklären: Kurzfristig treiben Erwartungen hoher Leitzinsen die Renditen nach oben, während für die ferne Zukunft eher sinkende Zinsen antizipiert werden – als Folge abnehmender Inflation oder schwacher wirtschaftlicher Dynamik. Im Verlauf des Jahres normalisiert sich die Kurve wieder: Die Renditen kurzer Laufzeiten fallen, die längeren steigen, am Ende ist ein Knick nach unten sichtbar, der auf erwartete zukünftige Zinssenkungen hinweist.

Doch die aktuellen Entwicklungen, insbesondere der Iran-Konflikt, haben diesen Trend wieder überlagert.