Geopolitik

Peitsche in der Hand: Die angebliche Achse Russland-China

| 24. Mai 2023

Der Westen fürchtet eine Achse aus Russland und China. Doch die angeblich dynamische Partnerschaft ist ein Trugbild: China nutzt ein isoliertes, verzweifeltes und schwaches Russland aus.

In Zeiten des Umbruchs neigen Staatsoberhäupter und Beobachter der internationalen Politik dazu, nach vertrauten Mustern zu suchen, um sich einen Reim auf die Welt zu machen. Trotz der sich ständig verschiebenden zwischenstaatlichen Machtverhältnisse und des inhärent neuen Charakters jeder Entwicklung ist diese Tendenz eine häufige Ursache für Fehlwahrnehmungen. Wohl nirgendwo zeigt sich das deutlicher als in der gegenwärtigen Ära des Weltgeschehens, in der ein wiedererwachtes, aggressives Russland im Verein mit einem selbstbewussten, aufstrebenden China die Welt neu zu ordnen scheint. Eine solche Neuordnung verstärkt die Wahrnehmung eines drohenden Niedergangs des Westens und das tiefere Gefühl, dass die liberale internationale Ordnung unter der Ägide der Vereinigten Staaten existenziell bedroht ist. 

Eines dieses vertrauten Muster aus westlicher Wahrnehmung ist es, Moskau und Peking als eine neue "Achse" zu bezeichnen, die die Konfliktlinien in einem neuen Kalten Krieg absteckt. Diese Formulierung geht auf den Pakt zwischen Deutschland und Italien aus dem Jahr 1936 zurück, in dem sie sich verpflichteten, den Kommunismus und den Republikanismus in Spanien zu bekämpfen. Dieses Bündnis wurde dann durch den gegenseitigen Verteidigungsvertrag von 1939 – bekannt als "Stahlpakt" – kodifiziert, der im folgenden Jahr mit den Dreimächtepakt von 1940 auch Japan einschloss. Später traten Ungarn, Rumänien, die Slowakei und Bulgarien dem Pakt bei, und auch die Kolonialgebiete Italiens und Japans sowie einige Marionettenregime wurden einbezogen.

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