Geldpolitik

Neue Zeiten mit der Federal Reserve

| 20. Oktober 2020
istock.com/pabradyphoto

Die wichtigste Zentralbank der Welt hat ihre geldpolitische Strategie grundlegend überdacht. Eine Zeitenwende und der Schlussstrich unter die Epoche des Neoliberalismus deuten sich an.

Die Federal Reserve zählt nicht zu den älteren Zentralbanken dieser Welt. Sie wurde erst 1913 in Reaktion auf immer wiederkehrende schwere Finanzkrisen gegründet, um eine »elastische Währung« und die Finanzstabilität zu gewährleisten. In den 1920er Jahren begann die Fed mit ihrem geldpolitischen Instrumentarium zu experimentieren. Keynes fand dafür lobende Worte, schätzte Benjamin Strong, den Gouverneur der für Finanzmarktoperationen zuständigen New Yorker Fed, als kompetenten Zentralbanker. Mit Strongs viel zu frühem Tod im Jahr 1928 geriet die Fed in weniger kompetente Hände und machte in den folgenden Jahren der Großen Depression keine gute Figur. Keynes jedenfalls identifizierte das Versagen der Federal Reserve als entscheidende Ursache für die Tiefe der Krise. Die US-Zentralbank hätte ihre große Macht nicht wirksam und überzeugend genug eingesetzt.

Die Große Depression brachte für Amerika eine wichtige Zeitenwende. Und bis heute bleibt sie tief im Bewusstsein verankert – als markante Furcht vor Deflation, Massenarbeitslosigkeit und Bankenkrisen. Mit dem »New Deal« wurde unter Franklin D. Roosevelt das Fundament für das moderne Amerika geschaffen. Das Gewicht des Staates in Wirtschaft und Gesellschaft, sowohl als Wohlfahrtsstaat und Bereitsteller von öffentlichen Gütern wie auch als Regulator und Gestalter, nahm deutlich zu. Eine wichtige Rolle spielte die Federal Reserve in der frühen Nachkriegszeit dabei, die Zinsen entlang der Zinsstrukturkurve niedrig zu halten, um so die Zinslast der während des Zweiten Weltkrieges deutlich angestiegenen öffentlichen Schulden im Zaum zu halten.

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