Makroskop
Krach in der Redaktion

Sind Frauen ökonomisch benachteiligt?

| 25. Februar 2026

Am Ende des Erwerbslebens stehen Frauen ökonomisch schlechter da. Sind sie in unserem System benachteiligt – oder nutzen sie nur ihre Chancen nicht?

Ökonomische Ungleichheit zwischen Frauen und Männern zeigt sich nicht nur auf dem Gehaltsscheck, sondern vor allem im Lebensverlauf – und am Ende sehr sichtbar bei der Rente. Laut Statistischem Bundesamt lag der Gender Pension Gap 2025, also die Lücke in der Rentenhöhe zwischen Frauen und Männern, bei 35,2 Prozent (private Vorsorge einbezogen, geerbte Hinterbliebenenleistungen ausgenommen).

Unterschiede zeigen sich laut diverser Studien (etwa aus 2025) auch beim Vermögen: Frauen sind in den unteren 50 Prozent der Vermögensverteilung leicht überrepräsentiert. Ihr Anteil nimmt nach oben hin stark ab und erreicht in den reichsten 1 Prozent weniger als 30 Prozent. Die durchschnittliche geschlechtsspezifische Vermögenskluft beträgt etwa 40 Prozent.

Wie kommt es zu dieser Ungleichheit? Sind Frauen in unserem System ökonomisch benachteiligt – oder verfügen sie über die gleichen Chancen und nutzen sie nur nicht? Natürlich sind die Ursachen – vor allem beim Vermögen – vielschichtiger als dieser Text es abbildet.

Entlohnung und Unternehmenshierarchie

Jüngst ging er wieder durch die Medien: der Gender Pay Gap. Laut statistischem Bundesamt lag er 2025 (bereinigt) bei 6 Prozent. Frauen verdienen demnach im gleichen Beschäftigungsverhältnis bei vergleichbarer Qualifikation weiterhin weniger als Männer. Für die Erklärung der Geschlechterungleichheit macht das jedoch nur einen kleinen Teil aus.

Weibliche Personen sind darüber hinaus seltener in Führungspositionen. Das Statistische Bundesamt gibt an: Während in Deutschland 2023 71,3 Prozent der Führungspositionen von Männern besetzt waren, entfielen demnach nur 28,7 Prozent dieser Positionen auf Frauen. Und das schon seit Jahren: Seit 2011 hat sich an dieser Verteilung nicht maßgeblich etwas geändert.

Eine detaillierte Betrachtung ermöglicht einen weiteren Einblick. Das European Institute for Gender Equality gibt an: Anfang 2024 lag der Frauenanteil in den Vorständen bei 39 Prozent. Der Anteil für Firmenchefinnen lag jedoch nur bei 5,3 Prozent. Hier zeigt sich besonders: Mit Höhe der Hierarchieebene nimmt der Frauenanteil stark ab.

Auf dem Trittbrett der Reproduktionsarbeit?

Warum gibt es diese Unterschiede (noch immer)? An der Bildung liegt es jedenfalls nicht. Der Anteil der Studienanfängerinnen liegt dem statistischen Bundesamt zufolge seit Jahren bei über 52 Prozent und auch der Anteil der Hochschulabsolventinnen liegt seit mehreren Jahren leicht über 50 Prozent. Dass das Geschlecht einen Einfluss auf die Noten im (Master-)Studium hat, konnte eine aktuelle Studie der FU Berlin nicht feststellen.

Ein Baustein der Ungleichheit: Männer und Frauen ergreifen (mitunter aufgrund abweichender Sozialisation) unterschiedliche Berufe. Eine Analyse des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts für 2021 zeigt: Frauen arbeiten am häufigsten in den Branchen Gesundheitswesen (80 Prozent), Sozialwesen (76 Prozent) und Erziehung/Unterricht (72 Prozent). Männer hingegen zieht es eher in den Maschinenbau, das Bauinstallation/Ausbaugewerbe sowie den Hoch-/Tiefbau (83 Prozent). 

Da der Markt in verschiedenen Branchen unterschiedliche Lohnniveaus und Aufstiegschancen vorsieht und diese in den typischen „Männerbranchen“ höher sind, führt dies im Durchschnitt zu niedrigerem Einkommen. Zugespitzt: Ohne die systemrelevanten, oft reproduktiven Arbeiten der Frauen würde das Wirtschaftssystem in sich zusammenbrechen. Davon profitieren Frauen augenscheinlich wenig.

Unbezahlte Sorgearbeit, Teilzeit und steuerliche Anreize

Ein weiterer Baustein in der Erklärung der Ungleichheit ist die immer noch sehr ungleich verteilte, nicht-entlohnte Care-Arbeit innerhalb deutscher Familien. Für 2024 gibt das statistische Bundesamt den Gender Care Gap mit 44,3 Prozent an – so viel Prozent mehr der unbezahlten Sorgearbeit übernehmen Frauen demnach im Vergleich zu Männern. Während Männer rund 20,5 Stunden Care-Arbeit leisten, übernehmen Frauen rund 30 Stunden pro Woche.

Erwerbstätige Frauen waren bei bezahlten Arbeitsverhältnissen 2024 laut Statistischem Bundesamt dazu zu 48,6 Prozent in Teilzeit, bei den Männern waren es 11,7 Prozent. Niedrigere durchschnittliche Stundenlöhne von Frauen und das Ehegattensplitting können einen weiteren Anreiz für diese Arbeitsteilung setzen, vor allem in Haushalten mit stark unterschiedlichen Einkommen. Unter Eltern ist der Unterschied sogar noch größer, auch wegen der mangelnden KiTa-Versorgung.

Für den Verlauf der Karriere und damit das erzielte Lohneinkommen ist das berufliche Zurückstecken ein entscheidender Negativfaktor. In vielen gut bezahlten Positionen sind Präsenz, kurzfristige Verfügbarkeit und lange Arbeitszeiten weiterhin ein informelles Karriere-Kriterium.

Die Unterschiede bleiben

Darüber hinaus: Zwar wird das in einer Ehe zugewonnene Vermögen bei einer Trennung zwischen beiden aufgeteilt und auch für die Altersvorsorge existiert grundsätzlich ein Ausgleich der in der Ehezeit erworbene Rentenanwartschaften. Auch für unverheiratete Frauen gibt es unter bestimmten Voraussetzungen Unterhaltsregeln. Dennoch bleiben Unterschiede häufig bestehen.

So oder so: Am Ende des Erwerbslebens stehen Frauen ökonomisch schlechter da.