Jugendarbeitslosigkeit in Europa sinkt
Die Jugendarbeitslosigkeit in Europa sinkt, bleibt aber insbesondere in Süd- und Osteuropa zweistellig.
Unsere Grafik der Woche zeigt die sogenannte NEET-Rate – die Rate junger Menschen, die weder einer Beschäftigung nachgehen noch eine Ausbildung absolvieren. Anders als die klassische Arbeitslosenquote erfasst sie auch jene Jugendlichen, die gänzlich außerhalb des Beschäftigungs- und Bildungssystems stehen. Seit dem Höhepunkt der Eurokrise 2013 sank die NEET-Rate für Jugendliche im Alter von 15 bis 29 Jahre im EU-Schnitt zwar von 16,1 auf 11 Prozent, bleibt aber auf zweistelligem Niveau. Die EU strebt an, die NEET-Quote bis 2030 auf unter 9 Prozent zu senken.
Die höchste Quote an Jugendlichen ohne Beschäftigung und Ausbildung hat Rumänien, sie liegt bei 19,2 Prozent und ist seit zehn Jahren kaum gesunken. Gemessen am BIP hat Rumänien die niedrigsten öffentlichen Bildungsausgaben in der EU. Das Land teilt mit Bulgarien das strukturelle Modell der „Werkbank-Ökonomie“: Niedrige Löhne, niedrige Steuern, große Zuliefererindustrie. Was gute Bedingungen für den Export sind, bringt gleichzeitig eine schwache Binnennachfrage, niedriges Produktivitätswachstum und Fachkräfteauswanderung mit sich. Allerdings sind die bulgarischen Löhne in den letzten Jahren im EU-Vergleich stark gestiegen. Anders als Rumänien konnte das Land seine NEET-Quote zwischen 2015 und 2025 von 22,2 Prozent auf 13,8 Prozent deutlich senken.
Im Süden schließen sich die Wunden der Eurokrise nur langsam. Griechenland und Italien leiden bis heute unter den langfristigen Folgen der Austeritätspolitik, die die wirtschaftliche Dynamik über Jahre geschädigt hat. Griechenland verharrt mit einer NEET-Quote von 13,6 Prozent auf hohem Niveau, Italien mit 13,3 Prozent knapp darunter. 2015 lagen beide Länder noch bei rund 25 Prozent.
Anders sieht es in den nördlichen EU-Mitgliedsstaaten aus. Während in den Niederlanden eine ausgeprägte „Teilzeitkultur“ den Übergang zwischen Ausbildung und Beruf stark vereinfacht, offenbaren die Zahlen in Schweden ein scheinbares Paradox: Die Jugendarbeitslosenquote gehört zu den höchsten der EU – die NEET-Quote hingegen ist mit 5,9 Prozent eine der niedrigsten. Der Grund liegt im Arbeitsmarkt selbst: Studierende haben es in Schweden schwer, einen Nebenjob zu finden und werden deshalb in der Statistik als „arbeitslos" geführt.