Wie BRICS und Drohnen die Macht der USA aushöhlen
Liebe Leserinnen und Leser,
die Vereinigten Staaten bleiben die mächtigste Volkswirtschaft der Welt. Doch die Fundamente ihrer globalen Führungsrolle geraten zunehmend unter Druck. Was über Jahrzehnte nahezu selbstverständlich schien – die Dominanz des Dollars, die militärische Überlegenheit und die Anziehungskraft des westlichen Bündnisses –, wirkt heute weniger unumstößlich als noch vor wenigen Jahren.
In dieser Ausgabe zeichnet der Energiepolitik-Analyst Pablo Cotarelo nach, wie der Petrodollar seit den 1970er-Jahren zum wirtschaftlichen Rückgrat amerikanischer Hegemonie wurde. Doch mit dem Aufstieg der BRICS-Staaten, der schrittweisen Abkehr vom exklusiven Dollarhandel und dem Aufbau alternativer Zahlungssysteme wie BRICS Pay verliert diese Sonderstellung allmählich an Exklusivität. Das bedeutet nicht das Ende des Dollars – wohl aber den Beginn einer Welt, in der die Vereinigten Staaten ihre finanzielle Vormachtstellung stärker behaupten müssen als früher.
Auch militärisch verschieben sich die Gewichte. Der jüngste Konflikt mit dem Iran verdeutlicht, dass moderne Kriegsführung nicht mehr allein von technologischer Überlegenheit oder milliardenschweren Waffensystemen abhängt. Wie Steve Keen zeigt, können vergleichsweise günstige Drohnen und Raketen selbst hochgerüstete Armeen vor erhebliche Herausforderungen stellen. Zugleich deutet die veränderte amerikanische Rhetorik gegenüber Israel darauf hin, dass langwierige und kostspielige Konflikte in Washington zunehmend kritischer bewertet werden als noch vor wenigen Jahren.
Während die USA ihre globale Rolle neu justieren, verliert Europa an wirtschaftlicher Dynamik. Besonders Deutschland kämpft mit einer anhaltenden Wachstumsschwäche und einer schleichenden Deindustrialisierung. Der französische Politikwissenschaftler Luis Vassy bringt diese Entwicklung mit einer provokanten, aber datenbasierten These auf den Punkt, die Martin Sonneborn aufgreift: Der relative wirtschaftliche Bedeutungsverlust Europas verlaufe inzwischen schneller als der Niedergang der Qing-Dynastie.
All dies bedeutet nicht, dass das amerikanische Jahrhundert abrupt endet. Die Vereinigten Staaten verfügen weiterhin über außergewöhnliche Innovationskraft, führende Technologieunternehmen und erheblichen Einfluss auf die digitalen Infrastrukturen der Weltwirtschaft. Doch ihre Macht stützt sich heute auf weniger unerschütterliche Pfeiler als noch vor einer Generation.
Gerade deshalb befindet sich die internationale Ordnung in einer Phase tiefgreifender Neujustierung. Die alte Welt ist nicht verschwunden. Die neue ist aber bereits deutlich sichtbar.