Makroskop
Grafik im Fokus

China bleibt die Fabrik der Energiewende

| 08. Juli 2026

Ob Photovoltaik, Batterien, Windturbinen oder Elektroautos – in nahezu allen Schlüsseltechnologien verfügt China inzwischen über die mit Abstand größten Produktionskapazitäten.

Die weltweite Energiewende gewinnt weiter an Tempo. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) war 2025 bereits nahezu jedes vierte neu zugelassene Auto weltweit elektrisch. Gleichzeitig beschleunigen steigende Investitionen in Batterien, Solaranlagen und Stromnetze den Umbau der Energieversorgung. Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben diese Entwicklung zuletzt zusätzlich verstärkt, da die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern erneut in den Fokus gerückt ist.

Unsere Grafik zeigt jedoch: Produziert wird die Energiewende vor allem in China. Ob Photovoltaik, Batterien, Windturbinen oder Elektroautos – in nahezu allen Schlüsseltechnologien verfügt das Land inzwischen über die mit Abstand größten Produktionskapazitäten. Selbst bei Wärmepumpen, wo die Marktanteile breiter verteilt sind, ist China der weltweit wichtigste Hersteller.

Diese Dominanz ist kein Zufall. Über zwei Jahrzehnte hinweg hat die chinesische Industrie von einer langfristig angelegten Industriepolitik, massiven Investitionen und dem gezielten Aufbau von Rohstoff- und Lieferketten profitiert. Hinzu kommt ein intensiver Wettbewerb auf dem Heimatmarkt, der die Margen sinken ließ und enorme Skaleneffekte ermöglichte. Die Folge sind Überkapazitäten und günstige Exporte, die den internationalen Wettbewerb zunehmend prägen.

Für Europa stellt sich damit eine strategische Frage. Zwar konnte die EU ihre Produktion von Elektroautos zuletzt ausbauen, doch der Markt wächst schneller als die heimische Fertigung. Ein erheblicher Teil der zusätzlichen Nachfrage wird durch Importe gedeckt, insbesondere aus China.

Die Europäische Union versucht inzwischen gegenzusteuern. Nach den Ausgleichszöllen auf chinesische Elektroautos soll der Industrial Accelerator Act die industrielle Basis Europas stärken. Geplant sind unter anderem Local-Content-Vorgaben und Anreize, Produktion und technisches Know-how stärker in Europa anzusiedeln.

Die Grafik verdeutlicht, worum es inzwischen geht. Die Energiewende ist längst nicht mehr nur ein klimapolitisches Projekt. Sie ist zu einem industriepolitischen Wettlauf geworden. Wer die Schlüsseltechnologien produziert, sichert sich nicht nur Exportmärkte und Arbeitsplätze, sondern auch geopolitischen Einfluss. China hat sich in diesem Rennen einen Vorsprung erarbeitet, den Europa nur mit einer langfristigen und verlässlichen Industriepolitik wieder verkleinern kann.