Makroskop
Grafik im Fokus

Deutschland gehört bei Armut zur europäischen Spitzengruppe

| 07. Mai 2026

Deutschland zählt zu den wohlhabendsten Ländern Europas. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf lag die Bundesrepublik 2025 auf Rang sechs innerhalb der Europäischen Union. Umso bemerkenswerter ist eine andere Zahl: 5,6 Prozent der Bevölkerung galten zuletzt als von erheblicher materieller und sozialer Entbehrung betroffen.

Das entspricht rund 4,6 Millionen Menschen – und ist innerhalb der EU der achthöchste Wert.

Die Statistik der sogenannten Erheblichen Materiellen und Sozialen Entbehrung (EMSE) misst dabei nicht abstrakte Einkommensgrenzen, also finanzielle Armut im engeren Sinne, sondern konkrete Einschränkungen im Alltag – unterteilt in Haushalts- und individuelle Ebene.

Auf Haushaltsebene wird erfasst, ob grundlegende materielle Bedürfnisse finanziert werden können. Dazu zählen etwa die Fähigkeit, Miete und Rechnungen pünktlich zu bezahlen, die Wohnung ausreichend zu heizen, unerwartete Ausgaben zu bewältigen oder abgewohnte Möbel zu ersetzen. Auch der Besitz eines Autos oder die Möglichkeit eines einwöchigen Urlaubs fließen ein.

Auf individueller Ebene geht es um soziale Teilhabe und persönliche Lebensqualität. Erfragt wird unter anderem, ob Menschen sich neue Kleidung oder geeignete Schuhe leisten können, Geld für Freizeitaktivitäten zur Verfügung haben oder einmal im Monat Freunde oder Familie zu einem Essen oder Getränk treffen können. Auch eine Internetverbindung gehört inzwischen zu den erfassten Mindeststandards gesellschaftlicher Teilhabe.

Wer mindestens sieben der insgesamt 13 Kriterien nicht erfüllen kann, gilt als von erheblicher materieller und sozialer Entbehrung betroffen. Hier liegt Deutschland trotz hoher Wirtschaftsleistung und umfangreicher Sozialausgaben im oberen Bereich der EU.

Die Grafik verweist damit auf ein grundlegendes Spannungsverhältnis der deutschen Wirtschaft: hoher gesamtgesellschaftlicher Wohlstand bei gleichzeitig erheblicher sozialer Ungleichheit.