Big bad China war gestern: eine "fantastische Zukunft" aus Kalkül?
Liebe Leserinnen und Leser,
früher galt noch "China is killing us". Heute schwärmt US-Präsident Donald Trump in Peking von einer "fantastischen gemeinsamen Zukunft". Zu Xi Jinping sagte Trump: "Es ist eine Ehre, ihr Freund zu sein". Anstatt diesem seine martialische Rhetorik nachzutragen, äußerte sich Xi Jinping beim jüngsten Treffen in Peking gleichsam offenherzig: "Beide Seiten sollten Partner statt Gegner sein", denn eine stabile chinesisch-US-amerikanische Beziehung sei "gut für die Welt".
Es versteht sich von selbst, dass hinter den warmen Worten auch geoökonomische Interessen stehen: Wie in dieser Ausgabe beim Wirtschaftswissenschaftler Rainer Landt zu lesen, liegt ein zentrales Problem der Chinesen im rezessiven Bau- und Immobiliensektor, der lange Zeit ein wichtiger Wachstumsmotor des Landes war. Aber auch hohe Einkommensungleichheit, eine schwache Binnennachfrage, die Gefahr einer Bilanzrezession durch Investitionszurückhaltung und Arbeitsplatzverluste aufgrund des Technologieschubs machen dem Reich der Mitte zu schaffen.
Umso nützlicher, dass Trump – O-Ton Martin Sonneborn – die "dollste kapitalistische Ausbeuterbande", sprich ein gutes Dutzend US-Milliardäre nach Peking mitgebracht hat, um lukrative Großgeschäfte mit der Kommunistischen Partei einzufädeln. Von Rivalität plötzlich keine Spur mehr. Der Irankrieg gilt als unpopulär im Heimatland; er beflügelt die Teuerung. Xi soll ihm angeboten haben, im Krieg zu vermitteln.
Und die EU? Konnte gegenüber den USA immerhin einen Teilerfolg verbuchen: In einem Telefonat mit Donald Trump ist es Kommissionspräsidentin von der Leyen gelungen, die Ratifizierung und Umsetzung des asymmetrischen Turnberry-Deals bis zum vierten Juli aufzuschieben. Doch das ist ein "trügerischer Frieden", kommentiert unser Mann in Brüssel Eric Bonse. Trumps Besuch in Peking habe nur "gezeigt, dass er den Beziehungen zu China derzeit Vorrang einräumt."