Makroskop
Kommentar

DGB-Rede von Merz: Der neue Roman Herzog?

| 12. Mai 2026

Friedrich Merz jüngste Rede vor dem DGB-Bundeskongress erinnert an die Ruck-Rede des Ex-Bundespräsidenten. Präsentiert der Bundeskanzler zeitlose Wahrheiten der Angebotsökonomik? 

Es kommt nicht von ungefähr, dass Bundeskanzler Friedrich Merz von manchen in "Auftreten und Habitus" als Mann der 90er-Jahre wahrgenommen wird, wie es etwa der Politologe Stefan Marschall herausstellt. Begriffe wie "Leitkultur" finden sich seit der Ägide Merz im CDU-Grundsatzprogramm wieder, die Grünen erklärt er zum "Hauptgegner" der Union. "Work-Life-Balance" und "Vier-Tage-Woche" seien nicht geeignet, um den "Wohlstand dieses Landes" zu erhalten. Seine kulturalistischen Warnungen vor "kleinen Paschas" und "Sozialtourismus" erinnern an die politische Kommunikation von vor 30 Jahren – eine Zeit, in der Politiker stärker mit provokanten Schlagworten arbeiteten, statt sprachlich kontrolliert zu wirken.

Flashbacks an die späten 90er-Jahre sollten dem ein oder anderen auch Merz jüngste Rede vorm DGB-Bundeskongress gegeben haben. Begleitet von lauten Buhrufen der Gewerkschafter, forderte der Kanzler, Deutschland müsse sich endlich „aufraffen“. Diese und die meisten seiner anderen Formeln klingen wie ein Echo einer fast drei Jahrzehnte alten Beschwörung: Die berühmte „Ruck-Rede“ von CDU-Parteikollegen und Ex-Bundespräsident Roman Herzog. Herzog ist nun seit fast einem Jahrzehnt tot, doch leben seine Ideen in Merz weiter – angemessen waren sie damals wie heute nicht.

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