Makroskop
Grafik im Fokus

Deutschlands unterschätzte Nachfragekrise

| 12. Mai 2026

Die aktuelle Debatte über die kriselnde deutsche Wirtschaft konzentriert sich meist auf die Schwäche des Exportmodells. Mal gelten Donald Trumps Zollpolitik, mal die nachlassende Dynamik in China als Hauptursache der Krise. Tatsächlich haben die Auslandsumsätze des deutschen Verarbeitenden Gewerbes ihren Höhepunkt bereits um das Jahr 2018 überschritten.

Weniger Beachtung findet eine Entwicklung, die die Grafik dieser Woche besonders deutlich macht: die anhaltende Schwäche des Binnenmarkts.

Dargestellt ist die preisbereinigte Umsatzentwicklung im Verarbeitenden Gewerbe, getrennt nach Inlands- und Auslandsgeschäft. Das Statistische Bundesamt zählt den Indikator zu den wichtigsten Größen zur Beobachtung der deutschen Konjunktur. Er misst die reale Nachfrageentwicklung und wird um Preisveränderungen bereinigt.

Die langfristige Entwicklung zeigt dabei ein bemerkenswertes Muster. Während die Exportumsätze über viele Jahre deutlich zulegen konnten, stagnieren die Inlandsumsätze des Verarbeitenden Gewerbes real betrachtet seit der Jahrtausendwende. Das Wachstum der Industrie wurde damit vor allem vom Ausland getragen.

Genau darin liegt heute ein zentrales Problem des deutschen Wirtschaftsmodells. Sobald die externe Nachfrage nachlässt, fehlt eine ausreichend starke binnenwirtschaftliche Dynamik, um die Schwäche auszugleichen.

Die aktuelle Krise ist deshalb nicht nur das Resultat internationaler Entwicklungen. Sie verweist auch auf strukturelle und damit hausgemachte Defizite im Inland: eine über Jahre schwache Konsumnachfrage, zurückhaltende öffentliche Investitionen und ein Wachstumsmodell, das sich stark auf externe Märkte stützt.

Die Grafik verdeutlicht, dass das Verarbeitende Gewerbe ohne eine Zunahme der Binnennachfrage kaum aus der gegenwärtigen Krise finden wird.