Makroskop
Makroskop for beginners

Die drei größten Irrtümer in der aktuellen Rentendebatte

| 26. Mai 2026

Zu alt, zu wenig Finanzmarkt, eine neue Entwicklung? Solche Standpunkte in der Rentendebatte gelten fast schon als Common Sense. Bei genauerer Betrachtung sind sie weniger stichhaltig, als es auf den ersten Blick scheint.

Irrtum Nr. 1: Dieser Baum ist gesund.

Viele Kinder und wenige Alte: So stellen sich viele von uns einen gesunden Bevölkerungsbaum vor. Schweden sah dementsprechend im Jahr 1900 so aus:

Abbildung 1, Quelle: SCB Statistical Database (2026)

In einer solchen Gesellschaft wollten wir aber nicht leben. Die permanente Verschlankung nach oben heißt nichts weiter, als dass es eine frühe Sterblichkeit in der Gesellschaft gibt, insbesondere die Kindersterblichkeit ist hoch.

Solche Bevölkerungsbäume finden wir heut noch im globalen Süden. 

Es ist ein großer Irrtum in der aktuellen Debatte, diesen Baum für gesund zu halten. Er ist krank.

Schauen wir uns einen Bevölkerungsbaum des heutigen Deutschlands an:

Abbildung 2, Quelle: Statistisches Bundesamt 2026

Zugegeben, es gibt schönere Bäume, aber darum geht es nicht. Dies ist eine Gesellschaft, in der es weniger Kinder im Verhältnis zu den Erwachsenen gibt, aber diese Kinder haben eine hohe Überlebenschance. Dies ist der Baum einer entwickelten Gesellschaft, in der durchschnittlich allen ein längeres Leben beschieden ist. Wer wollte das nicht?

Irrtum Nr. 2: Das Demographieproblem ist neu.

Man könnte nun einwenden, dass der Baum vielleicht von außen gesund erscheint, aber im Inneren arbeitet der Holzwurm und bald bricht der Baum in sich zusammen. Die Geschichte lehrt uns aber, dass immer weniger erwerbsfähige Menschen für immer mehr Alte aufkommen müssen und gleichzeitig steigt der Wohlstand.

Der Holzwurm hat noch keine Arbeit. Produktivitätswachstum hat Alterung geschlagen – auch wenn die Löhne nicht immer mit der Produktivität mitgehalten haben. Bringen wir beides zukünftig stärker Einklang, schützen wir unseren Baum weiterhin vor dem Holzwurm – trotz Herausforderungen wie Migration. Produktivität ist Key.

Irrtum Nr. 3: Der Kapitalmarkt löst unsere Probleme.

Frage an Radio Eriwan: „Gibt es im Kommunismus noch Geld?“ Antwort: „Nur noch, nur noch!“

Damit hat der fiktive Satiresender des Sowjetkommunismus eigentlich schon alles gesagt. Geld oder auch Aktien nützen nichts, wenn ich mir dafür keine Waren kaufen kann. Haben die Vertreter einer kapitalgedeckten Altersvorsorge verstanden, worum es geht? Es geht um die Produktion von ausreichendem gesellschaftlichem Reichtum und dessen Verteilung.

Die Kapitaldeckung ist genauso mit der Notwendigkeit einer Produktivitätssteigerung konfrontiert wie das gesetzliche Umlageverfahren. Kapitaldeckung bedeutet zudem große Unsicherheit über die Höhe meiner Rente und sie bedeutet Destabilisierung der Finanzmärkte.

Auch mit dem Geld einer kapitalgedeckten Rente kann ich nur kaufen, was im Augenblick meiner Rente von anderen produziert wird. Das Geld aus meinem Aktiendepot hilft nichts, wenn der Bäcker kein Brot bäckt.

Daran ändert auch ein internationales Aktiendepot nicht. Wenn ich außerhalb Deutschlands oder Europas mein Geld anlege, steht auch dieses Ausland vor der Herausforderung, eine produktive heimische Wirtschaft zu fördern, ansonsten verliert mein Depot an Wert. Aufs Ausland haben wir wenig Einfluss. Und ist es nicht sinnvoller und naheliegender, dass unser Staat die eigene Wirtschaft fordert, anstatt Spekulation an internationalen Märkten zu fördern?