Makroskop
Don‘t Make Economy Crazy Again

Ulf Poschardt & Daniel Stelter: Wer befriedigt hier wen?

| 28. Mai 2026

In ihrem Podcast erklären Springer-Journalist Ulf Poschardt und liberaler Ökonom Daniel Stelter, wie die Wirtschaft wieder zum Boomen gebracht werden könne. Was das mit Selbstbefriedigung, Kakerlaken und großkarierten Hemden zu tun hat.

„Make economy great again: Wie Deutschlands Wirtschaft wieder boomt“: Der Welt-Podcast (vom 21. Mai) mit dem rechtslibertären Springer-Journalist Ulf Poschardt sowie dem liberalen Ökonom Daniel Stelter beginnt traditionell mit großen Worten. Die Männer geben sich bekanntlich selbstbewusst und glauben zu wissen, wie ein erfolgreicher Hase zu laufen hat.

Ausgangspunkt des Gesprächs ist ein Zahlen-Referat Poschardts über die Entlassungen von Beschäftigen durch die deutschen Unternehmen in den vergangenen Quartalen. Für die schlechte wirtschaftliche Lage gilt es passende Buhmänner und -frauen zu finden, die ins politische Narrativ passen. Sobald diese „Schlafwandler“ und „Totengräber“ ihres Einflusses entledigt sind, rennt der Hase wieder in großen Sätzen?

Auch in dieser Folge wird neben der Erwähnung der erstarkenden chinesischen Konkurrenz fleißig gegen Linke, Grüne und den Staat ausgeteilt. Logisch. Während Poschardt eloquent in rechtslibertäre Polemik verfällt, liefert Stelter in nüchterner Manier die vorgeblich seriöse ökonomische Legitimation – ein perfekter Steigbügel. 

Gleich zu Beginn schafft es Daniel Günther, der Ministerpräsident Schleswig-Holsteins, ins Visier. „Genosse Günther“ versuche gerade zum x-ten Mal den Unvereinbarkeitsbeschluss der Union zur Linken aufzuweichen. Im Vergleich zu Politikern der Linkspartei, so Poschardt, sei Alexander Gauland von der AfD „100-mal mehr Mitte“. Zur Erinnerung: Gauland bezeichnete den Holocaust als Vogelschiss in der deutschen Geschichte.

Weiter geht die Reise zum jüngsten Medienfestival re:publica. Die „immer kleiner werdende Blase der A15-Nasenring-Tanten und -Typen“ sei ein „intellektuell mittelmäßiges intolerantes autoritäres Hass- und Hetzmilieu“ der „rhetorischen Selbstbefriedigung“. Ob Poschardt mit seiner intellektuell simplen, aber rhetorisch durchaus kreativen Polemik sich selbst oder andere zu befriedigen gedenkt, hält der Podcast offen.

Zurück zu den Entlassungen und der deutschen Wirtschaftskrise. Nachdem der Kanzler jüngst beim DGB für seine Werbung für die Aufweichungen von Arbeitnehmerrechten ausgebuht wurde, attestieren auch Poschardt und Stelter den Menschen, sie hätten noch nicht verstanden, dass sie nun mehr anpacken müssten. Wie der dargestellte Arbeitsbedarf mit den zitierten Entlassungen einhergeht, bleibt ein Geheimnis.

Gibt es vielleicht doch auch eine Nachfragekrise, durch die die Unternehmen ihre Produkte nicht verkauft bekommen? Hauptsache jedoch, der Staat macht da nichts. Dass Staatsausgaben und die Beschäftigung im staatlichen Sektor entgegen dem privaten Trend gestiegen sind, sei fatal. Nicht, dass der Staat durch seine Aktivitäten in der aktuellen Krise noch die schwächelnde Privatwirtschaft stabilisiert!

Die Politik, so Stelter, müsse nun mit einem (wirtschaftsliberalen) Gesamtpaket kommen und sagen: „Liebe Bürger, das sind die Verlierer, das sind die Gewinner und so verteilen wir die Lasten.“ Gewinner seien am Ende aber ohnehin alle. Frei Schnauze bedeutet das: Liebe Arbeitnehmer, ihr seid leider die Verlierer. Aber wenn wir den Kapitalbesitzenden jetzt mehr geben, floriert die Wirtschaft wieder und es wird ganz viel investiert, sodass ihr am Ende vielleicht auch noch was abbekommt.

Folglich lobt Poschardt die „exponentiellen privaten Innovationen“, die in der Geschichte zu einem „exponentiellen Wirtschaftswachstum“ geführt hätten. Keine Frage: Private Unternehmen haben Beeindruckendes geschaffen. Dennoch weisen Ökonominnen wie Mariana Mazzucato nach, dass fundamentale, hochproduktive Innovationen (wie das Internet, GPS, Touchscreens oder mRNA-Technologie) historisch fast immer durch massive staatliche Vorabinvestitionen entstanden sind.

Als nächstes bekommt der Klimaschutz sein Fett weg. Kritik am Automobil-Verbrennungsmotor verortet Poschardt als „retardierte Hippie-Shit-Argumente aus kleinen enggehaltenen Diskursräumchen“, in denen die eigenen veganen Fahrradwege schön verklärt würden. Faktisch sind wir leider bereits dabei, das 1,5°-Ziel zu reißen und auch erste Klimakippunkte sind mit hoher Wahrscheinlichkeit überschritten.

Wie eine florierende Wirtschaft auf einem langfristig in großen Teilen vielleicht schwer bewohnbaren Planeten aussehen soll, bleibt Poschardt schuldig. Möglichweise könnten die regionalen Fabrikhallen dann als neue Behausung für resistente Kakerlaken dienen? Vielleicht ist der Klimawandel aber ja auch einfach ein Hirngespinst retardierter grüner Hippies. Nur zeigt die wissenschaftliche Literatur eindeutig das Gegenteil.

Aufs Korn nehmen die beiden Herren auch den ideologisch verwandten Kanzler. Friedrich Merz bringe es wirtschaftspolitisch einfach nicht. Da für die jüngste Krise der Krieg der USA im Iran verantwortlich ist, stellt sich folglich die Frage: Ja, warum öffnet der Kanzler die Straße von Hormus nicht einfach wieder? Lieber lasse Friedrich sich von der SPD auf der Nase herumtanzen und schenke ihr alle politischen Punkte.

Ist das so? Welche bisher beschlossenen Maßnahmen tragen die Handschrift welcher Partei? Während man der SPD am Ende des Tages vielleicht das Tariftreuegesetz und die weiter infrage gestellte Haltung des ohnehin niedrigen Rentenniveaus verbuchen kann, bekam die CDU etwa eine pauschale Unternehmenssteuersenkung, Bürgergeld-Sanktionen oder eine harschere Migrationspolitik. Weitere Maßnahmen sind weniger klar den einzelnen Parteien zuzuordnen.

Warum zudem nicht den inkompetenten Bundestag deutlich verkleinern und durch echte Experten wie Javier Milei ersetzen, lautet der nächste Aufschlag? Darüber hinaus sollten politische Entscheidungsträger laut der beiden Herren generell durch eine variable Vergütung, gekoppelt an das BIP-Wachstum, angereizt werden. Ganz wichtig sei auch, dass ehemalige Politiker bestimmte Rollen in der Gesellschaft nicht mehr ausfüllen dürften, um keinen Interessenskonflikten zu unterliegen.

Ein Argentinien, das tief in der Rezession steckt und mit hoher Inflation, steigender Arbeitslosigkeit und stagnierenden Investitionen punktet, als Vorbild? Zudem: Bei einem externen wirtschaftlichen Schock kann höchstens der Staat bedingt gegensteuern. Dieser darf – der Logik der beiden folgend – jedoch kein Geld ausgeben. Wenn nun das BIP wegbricht und damit auch die variable Vergütung der Politiker: Wie hoch wäre der Anreiz eines Nebenverdienstes mit fremden Interessen?

Zum Ende des Gesprächs geht es um den geplanten Börsengang des Unternehmens Space X unter Elon Musk. Sollte dieser erfolgreich sein, so die Darstellung, könne Musk eine Incentivierung von 1000 Milliarden Dollar bekommen. „Es ist so geil“, schwärmt Poschardt: „Und wir führen hier diese kleinstkarierten DGB-Verdi-Shit-Diskussion.“ Daniel Stelter lacht.

In großkarierten Hemden feiern Poschardt und Stelter die wilde Finanzspekulation sowie die konzentrierte Vermögensaneignung des Ergebnisses vieler Hände Arbeit und spucken der lohnabhängigen Bevölkerung von oben vor die Füße. Make Economy Great Again? So bitte nicht.