Zahl der Woche
Zehn Jahre MAKROSKOP. Was bleibt.
Als MAKROSKOP im Jahr 2016 an den Start ging, war die Welt eine andere. Die Europäische Schuldenkrise wirkte nach, die Niedrigzinspolitik war heftig umstritten, Donald Trump stand vor seiner ersten Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten und die deutsche Wirtschaft mit ihren Exporterfolgen galt vielen als das unangefochtene Erfolgsmodell Europas.
In dieser Zeit entstand ein Magazin mit einem vielleicht anachronistischen Anspruch. Nicht schneller sein als andere. Nicht lauter. Nicht ideologischer. Sondern wirtschaftspolitische Zusammenhänge so erklären, dass Leserinnen und Leser sich selbst ein Urteil bilden können.
In einem Interview vor zehn Jahren formulierte Mitbegründer Heiner Flassbeck das Ziel so: Bürger sollten befähigt werden, wirtschaftspolitische Debatten auf der Grundlage makroökonomischer Zusammenhänge zu verstehen. Denn genau daran, so seine Überzeugung, mangelte es der öffentlichen Diskussion.
Der Name MAKROSKOP war Programm.
Heute, zehn Jahre später, endet das Magazin in seiner bisherigen Form. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr.
MAKROSKOP ist ein Magazin, das sich nie gescheut hat, wirtschaftliche Realitäten nüchtern zu betrachten. 2018/2019 diagnostizierten wir – konträr zur Schönfärberei anderer Analysten und Wirtschaftsressorts – bereits eine heraufziehende Krise der deutschen Wirtschaft in unseren Konjunkturberichten.
Dennoch ist Journalismus, der sich Zeit für Analyse nimmt und bewusst gegen den schnellen Nachrichtenstrom arbeitet, wirtschaftlich schwieriger geworden denn je.
Das Ende des Magazinbetriebs bedeutet jedoch nicht das Ende der Idee.
Denn die Frage, die MAKROSKOP vor zehn Jahren aufwarf, ist aktueller denn je: Wie lässt sich Wirtschaft erklären, ohne sie auf Schlagworte, moralische Zuschreibungen oder einzelwirtschaftliche Analogien zu reduzieren?
In den vergangenen zehn Jahren haben unsere Autorinnen und Autoren versucht, genau darauf Antworten zu geben. Sie haben über Geldpolitik, Fiskalpolitik, Energie, Europa, Globalisierung, Industriepolitik, Verteilung, Sozialstaat und internationale Wirtschaftsordnung geschrieben. Sie haben gestritten, widersprochen, Prognosen gewagt und Positionen zur Diskussion gestellt. Manche Einschätzungen haben sich bestätigt, andere waren Anlass für neue Debatten. Genau so funktioniert wissenschaftlich geprägter Journalismus.
Vor allem aber ist ein Ort entstanden, an dem heterodoxe ökonomische Perspektiven ihren Platz hatten. Nicht als Selbstzweck, sondern weil wissenschaftlicher Fortschritt vom offenen Streit unterschiedlicher Ansätze lebt. MAKROSKOP war ein Ort der Orientierung, der intellektuellen Neugier und des wirtschaftspolitischen Widerspruchs.
Zehn Jahre MAKROSKOP gehen zu Ende.
Die Überzeugung, dass wirtschaftspolitische Aufklärung, wissenschaftlicher Pluralismus und eine offene Debattenkultur unverzichtbar sind, bleibt.