Haben Mehrheiten Rechte?
Die Mehrheit der „White British“ befindet sich im steilen Sinkflug. Die Politik teilt sich zunehmend in jene, die das umtreibt, und jene, denen es gleichgültig ist. Doch kann nationale Solidarität überleben, wenn es keine ethnischen Mehrheiten mehr gibt?
Es gibt viele Erklärungen für die Wolke aus Pessimismus und Angst, die seit dem Finanzcrash über Großbritannien und den meisten anderen westlichen Ländern hängt. In vielen Regionen: schleppendes Wirtschaftswachstum; der Aufstieg Chinas und die Zersplitterung des Westens; die Verschiebung des politischen Fokus weg von ökonomischen Fragen hin zu schwerer kompromissfähigen Wertespaltungen (siehe Brexit); der Aufstieg der Wissensökonomie und der Statusverlust für Menschen mit durchschnittlichen und unterdurchschnittlichen Einkommen; weniger stabile Familienverhältnisse; Sorgen über die Folgen von Klimawandel, KI und Echokammern sozialer Medien; die Pandemie und ihre Nachwirkungen. Jeder wird eigene Quellen der Unruhe und weitere Bruchlinien hinzufügen wollen.
Seit sich die Geschichte im 18. Und 19. Jahrhundert nach der industriellen Revolution und der Entstehung moderner Nationalstaaten beschleunigte, gab es nur wenige Phasen relativer Ruhe. Man denke an die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Vielleicht aber wird die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts rückblickend als eine solche Phase der Ruhe gelten. Im politischen System Großbritanniens spiegelte sich das in einem stabilen Zweiparteiensystem, das trotz scharfer ökonomischer Gegensätze einen breiten Konsens über Grundwerte und den Platz des Landes in der Welt abbildete. Dieses System zerbricht nun – als Reaktion auf einige der oben genannten Kräfte.
Drei tektonische Verschiebungen
Doch unter der Oberfläche wirken tiefere Trends, die jahrhunderte-, teils jahrtausendealte Gewissheiten erodieren lassen und bei vielen ein Gefühl der Desorientierung verstärken. Der Verlust von Religion ist einer davon. Erst in den vergangenen ein, zwei Generationen hat in den meisten westlichen Ländern eine massenhafte Säkularisierung wirklich Fuß gefasst. Ungeachtet der starken Spuren christlichen Glaubens, die öffentliches wie privates Leben weiterhin prägen, ist damit ein Geländer aus täglichen Ritualen und moralischer Orientierung verschwunden.
Ein zweiter Trend ist das veränderte Verhältnis der Geschlechter. Die finanzielle Eigenständigkeit der Frauen sowie ihr massenhafter Eintritt in die Erwerbsarbeit (außerhalb des Hauses) und Öffentlichkeit ist – zumindest im Westen – der größte Zuwachs an menschlicher Freiheit seit 1945. Die Dominanz von Frauen in Institutionen wie Bildung und Recht ist, wie die US-Autorin Helen Andrews betont, historisch beispiellos; zugleich haben viele Männer ihre Rolle als Hauptversorger der Familie verloren und nichts gefunden, das diese Rolle zufriedenstellend ersetzt.
Es gibt eine dritte, noch tiefere Verschiebung. Innerhalb der Lebenszeit heutiger junger Erwachsener wird die ethnische Mehrheit in vielen demokratischen Nationalstaaten in Europa und Nordamerika unter die Hälfte der Bevölkerung fallen. In der meiste Zeit der Menschheitsgeschichte lebten Menschen nicht in Nationalstaaten, sondern in relativ homogenen Gruppen – oft innerhalb größerer imperialer Strukturen. In den vergangenen 150 Jahren – und deutlich länger im Fall älterer Nationen wie England/Großbritannien und Frankreich – haben sich die meisten europäischen Nationen, bisweilen blutig, um ethnische Kerne herum verdichtet.
Diese ethnischen Kerne verdünnen sich nun rasch. Ob aus kolonialer Verpflichtung, aus Appetit auf Arbeitskräfte oder aus Humanität gegenüber Flüchtlingen: In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die meisten großen europäischen Staaten multiethnisch – nicht ohne Reibung, aber mit sichtbaren (also nicht weißen) ethnischen Minderheiten, die bis zum Ende des Jahrhunderts meist nur einstellige Prozentwerte der Bevölkerung ausmachten.
Doch heute sind in Großbritannien fast 20 Prozent der Bevölkerung im Ausland geboren; der „White British“-Kern ist von fast 90 Prozent im Jahr 2000 auf heute rund 70 Prozent geschrumpft. Nur 53 Prozent der Geburten im Jahr 2025 entfielen auf „White British“-Mütter. Großbritannien ist auf Kurs, irgendwann in den 2060er Jahren ein „majority-minority“-Land zu werden – wobei das von der Höhe der Einwanderung abhängt und auch davon, wie schnell die gemischtrassige Bevölkerung – heute bei rund 3 Prozent – wächst (die Enkelkinder gemischtrassiger Paare identifizieren sich gewöhnlich als „White British“).
London, Birmingham, Manchester, Leicester und Luton sind bereits „majority-minority“ – nicht immer zur Zufriedenheit aller. Viele andere Städte und größere Orte sind nahe dran. In der Hauptstadt sind nur noch etwa ein Drittel der Bevölkerung „White British“, bei Schulkindern sogar nur 20 Prozent. Rund ein Fünftel der gesamten „White British“-Bevölkerung dürfte schon heute in „majority-minority“-Städten oder -Orten leben.
In vielen Gegenden wird dieser Übergang ohne offene Konflikte stattfinden – und mancherorts, vor allem bei Jüngeren in weitläufigen Metropolen, womöglich sogar, ohne dass es den Leuten überhaupt auffällt. In strukturschwächeren Regionen hingegen wird er häufiger mit sozialem Abstieg und einem Gefühl von Kontrollverlust verbunden – insbesondere von einer weißen Arbeiterklasse, die den größten Teil der anfänglichen Anpassungslast an die Neuankömmlinge trug. Die politischen Reaktionen reichen von identitätspolitischer Mobilisierung bis hin zu einer zunehmenden Polarisierung in Fragen von Zugehörigkeit und nationaler Identität.
Wie stark der ethnische Wandel das Bewusstsein eines durchschnittlichen Mitglieds der „White British“-Mehrheit prägt, ist schwer zu ermitteln – auch, weil das Thema in großem Maße tabuisiert bleibt. Doch der Aufstieg Donald Trumps in den USA und populistischer Parteien in Europa wird zumindest teilweise von jenen getrieben, die dieser Übergang verunsichert: Menschen, die den Verlust eines gemeinsamen Lebens befürchten und Eliten eine Bevorzugung von Minderheiten vorwerfen.
Öffentlich wird der Wunsch nach geringerer Einwanderung meist mit dem Verweis auf überlastete Infrastruktur und öffentliche Dienste begründet. Seltener offen ausgesprochen wird das Bedürfnis, in einem vertrauten sozialen Umfeld zu leben, geprägt von ähnlichen Lebensweisen und kulturellen Bezugspunkten. Umfragen zeigen jedoch, dass sich nicht wenige Menschen im eigenen Land zunehmend fremd fühlen.
Ein Blick auf Siedlungsmuster unterstreicht diese Wahrnehmung. Angehörige der Mehrheitsbevölkerung – quer durch politische Lager – ziehen vermehrt in Gegenden, in denen ihre Gruppe dominiert. Gleichzeitig konzentrieren sich auch Minderheiten häufig in bestimmten Stadtteilen. Es entsteht eine Form stiller Segregation, die weniger durch politische Vorgaben als durch individuelle Präferenzen und soziale Dynamiken geprägt ist.
„So what?“ – so reagierte der frühere Tory-Kabinettsminister Sajid Javid auf die Aussicht eines „majority-minority“-Großbritanniens. Die knappe Antwort steht exemplarisch für die Haltung vieler politischer Entscheidungsträger und Kommentatoren, die geäußerten Sorgen über diesen demografischen Wandel mit Skepsis oder offener Ablehnung begegnen.
Wer das Thema offensiv anspricht – wie etwa Nigel Farage oder Robert Jenrick –, sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, gesellschaftliche Spaltungen zu vertiefen. Damit verengt sich der öffentliche Diskurs: Zwischen demonstrativer Gelassenheit auf der einen und alarmistischen Tönen auf der anderen Seite bleibt wenig Raum für eine nüchterne Auseinandersetzung mit den sozialen und politischen Folgen des Wandels.
Es zeugt von einem Mangel an Empathie im liberalen Großbritannien, wenn kaum akzeptiert wird, dass weiße Briten gleichzeitig weltoffen leben können – mit Kollegen, Freunden oder Ehepartnern aus unterschiedlichen ethnischen Hintergründen – und dennoch den Wunsch haben, dass die vertraute Mehrheitskultur im eigenen Umfeld erhalten bleibt. Diese Präferenz wird häufig vorschnell als Ausdruck von Vorurteilen interpretiert, obwohl sie oft eher mit Fragen von Identität, Zugehörigkeit und sozialer Stabilität verknüpft ist.
Damit stellt sich eine grundsätzliche Frage: Lässt sich ein belastbares Gefühl gemeinsamen Interesses und gegenseitiger Rücksicht auch in einer Gesellschaft aufrechterhalten, die nicht mehr von einer ethnischen Mehrheit geprägt ist?
Ein kurzer Blick auf die Begriffe: Ethnizität meint in erster Linie gemeinsame Abstammung – oft verbunden mit geteilten Symbolen und kulturellen Bezugspunkten – und ist nicht gleichzusetzen mit „Rasse“. Engländer, Spanier und Bulgaren etwa gelten als derselben „Rasse“ zugehörig, aber unterschiedlichen Ethnien. Auch die amtliche Kategorie „White British“ ist weniger identitätsstiftend, als sie klingt – und keineswegs per se „ethno-nationalistisch“. Sie umfasst bereits verschiedene Gruppen wie Engländer, Schotten oder Waliser. In diesem Sinne lässt sich auch „Englishness“ als offene, zivil verstandene Ethnizität begreifen, die Menschen unterschiedlicher Herkunft einschließt – von Rishi Sunak bis Freddie Mercury.
Im Alltag spielt Ethnizität für viele kaum eine Rolle, insbesondere in großen, durchmischten Städten. Offene Vorbehalte sind eher die Ausnahme. Diese weitgehende „Blindheit“ gegenüber Herkunft gilt vielen als Ausdruck eines modernen, aufgeklärten Selbstverständnisses – auch wenn sie nicht alle Fragen von Zugehörigkeit und Identität auflöst.
In großen, anonymen Gesellschaften lässt sich auf individueller Ebene kaum erkennen, wie stark sich ein einzelner Mensch – ob aus einer Minderheit oder der Mehrheitsbevölkerung – tatsächlich mit der Gesellschaft identifiziert. Ebenso wenig ist garantiert, dass eine allgemeine Solidarität unter Staatsbürgern für alle gleichermaßen im Vordergrund steht. Für manche Gruppen spielen etwa Religion, Herkunft oder lokale Gemeinschaften eine größere Rolle, insbesondere für viele Muslime und auch – in deutlich geringerer Zahl – für orthodoxe Juden und Roma.
Auf der Ebene von Stadtteilen und Regionen treten solche Unterschiede jedoch deutlicher hervor. In Großbritannien zeichnen sich inzwischen grob drei demografische Muster ab: weiterhin mehrheitlich „White British“ geprägte Gebiete, gemischte Regionen mit schwindender Mehrheit sowie klar von Minderheiten dominierte Räume. Letztere sind teils von einzelnen Gruppen geprägt – etwa britischen Bangladeschis in Tower Hamlets.
Aus diesem demografischen Muster entstehen zwei Hauptmodelle für die „majority-minority“-Zukunft: ein Integrationsmodell und ein Segregationsmodell.
Selbst viele Orte in „Middle England“, die noch deutlich von „White British“ dominiert werden – zum Beispiel Abingdon in Oxfordshire –, haben inzwischen typischerweise eine nennenswerte ethnische Minderheit von rund 15 Prozent. Die meisten davon sind die zweite oder dritte Einwanderergeneration, sprechen mit lokalen Akzenten, sind weitgehend in die Mehrheitslebensweise aufgenommen (mit einigen kulturellen und religiösen Unterschieden) und heiraten oft in die Mehrheit hinein. Es gibt keine einzelne Minderheit, die dominiert (die größten Gruppen in Abingdon sind Osteuropäer und Südasiaten), und es gibt wenig lokale Segregation.
In den nächsten Jahrzehnten wird die Minderheitenbevölkerung dort – und in ähnlichen, relativ wohlhabenden Orten wie Warwick in den Midlands oder Sale im Norden – auf 30 oder 35 Prozent anwachsen. Dies aber in einer Weise, die von der Mehrheit voraussichtlich problemlos angenommen wird.
Am anderen Ende des Spektrums steht eine Stadt wie Bradford. Dort liegt der Anteil von Minderheiten bereits bei rund 40 Prozent, mit klar ausgeprägten ethnischen Clustern. In manchen Vierteln prägen andere Sprachen, Mediennutzung und kulturelle Praktiken den Alltag; politische Entwicklungen in den Herkunftsländern spielen teils eine größere Rolle als die britische Innenpolitik. Partnerschaften entstehen häufig innerhalb der eigenen Gruppe, Schulen sind faktisch monoethnisch, und soziale Normen – etwa in Fragen von Religiosität oder Geschlechterrollen – weichen teils deutlich von denen der „White British“-Mehrheit ab, besonders in pakistanisch geprägten Stadtteilen.
Setzen sich diese Trends fort, dürfte Bradford in den kommenden Jahrzehnten nicht nur zu einer „majority-minority“-Stadt werden, sondern in Teilen eine klare demografische Dominanz einzelner Gruppen entwickeln – auch, weil die „White British“-Bevölkerung schrumpft oder abwandert.
Umfragen und Beobachtungen zeigen ein recht konsistentes Muster: Die meisten Angehörigen der Mehrheitsbevölkerung leben gern in gemischten Gegenden – solange ihre Gruppe zahlenmäßig prägend bleibt und sich Minderheiten im Großen und Ganzen an die dominante Lebensweise einfügen. Das kann auch in vergleichsweise diversen Städten funktionieren. Orte wie Reading, Watford, Milton Keynes oder Teile Manchesters gelten als Beispiele, in denen größere Minderheiten auf ein insgesamt stabiles Integrationsniveau treffen – mögliche Modelle für eine „weiche Landung“ des demografischen Wandels.
Was genau unter einer „mehrheitlichen Lebensweise“ zu verstehen ist, bleibt schwer eindeutig zu definieren. Im Kern geht es jedoch um einige grundlegende Gemeinsamkeiten: eine geteilte Sprache, vergleichbare soziale Normen im öffentlichen Raum sowie alltagspraktische Überschneidungen – etwa über Medien, Sport oder Begegnungen in Cafés, Pubs und anderen informellen Treffpunkten. Auf nationaler Ebene gehört dazu auch ein gewisses Maß an gemeinsamem Geschichtsbewusstsein und eine emotionale Bindung an den Staat – verstanden als säkulare Demokratie mit fortwirkenden kulturellen Symbolen und Ritualen.
Diese mehrheitliche Lebensweise ist historisch von den „White British“ geprägt worden – sie ist jedoch keineswegs statisch. Sie verändert sich fortlaufend und bleibt offen für Menschen unterschiedlicher Herkunft, die sie zunehmend mitgestalten.
Gleichzeitig wirkt sich der rasche demografische Wandel auf diese gemeinsame Grundlage aus – und damit auch auf die Politik, oft indirekt und unterschwellig. In Großbritannien zeigt sich eine Spaltung, die an die US-amerikanische Trennung zwischen „red states“ und „blue states“ erinnert: Auf der einen Seite stehen große, ethnisch vielfältige und politisch eher liberale Städte mit hohem Bildungsniveau, auf der anderen kleinere Städte und ländliche Regionen, die älter, homogener und konservativer geprägt sind.
Zwar bleibt nationale Identität für viele wichtig, doch ihre Bindekraft lässt nach – ebenso wie die soziale Solidarität. Ende der 1980er Jahre befürwortete noch eine klare Mehrheit höhere Sozialausgaben auch um den Preis höherer Steuern; heute ist diese Haltung deutlich seltener. Parallel dazu sinken Vertrauen und bürgerschaftliches Engagement. Der Anteil der Menschen, die sich regelmäßig ehrenamtlich engagieren, ist in den vergangenen zehn Jahren spürbar zurückgegangen. Auch klassische soziale Treffpunkte wie Pubs oder andere informelle Begegnungsräume verlieren an Bedeutung.
Diese Entwicklungen haben vielfältige Ursachen, doch auch demografische Dynamiken spielen eine Rolle. In stärker diversifizierten und zugleich wirtschaftlich schwächeren Regionen ist das Zugehörigkeitsgefühl oft geringer ausgeprägt. Muslime zeigen zwar überdurchschnittliches Engagement, allerdings überwiegend innerhalb der eigenen Gemeinschaft.
Insgesamt deuten diese Trends auf einen Wandel hin, der auch mit Gefahren mit sich bringt, wenn es darum geht, kollektive Herausforderungen zu bewältigen – dann könnte die schwindende soziale Kohäsion zum Problem werden.
Rechte oder Interessen?
Wenn politische Konflikte zunehmend vom Rückgang traditioneller Mehrheiten – und von Versuchen, diesen Prozess zu bremsen – geprägt werden, stellt sich eine heikle Grundsatzfrage: Sollten auch schrumpfende Mehrheiten als Träger von Rechten verstanden werden?
Der liberale Rechtsstaat basiert gerade darauf, Mehrheitsmacht zu begrenzen. Minderheitenrechte und Antidiskriminierungsgesetze sollen verhindern, dass Mehrheiten ihre Position zulasten anderer ausnutzen. Doch was passiert, wenn diese Mehrheiten selbst an Gewicht verlieren und die von ihnen geprägten Normen an Selbstverständlichkeit einbüßen? Entsteht daraus ein neues Schutzbedürfnis?
Genau an diesem Punkt setzen viele populistische Parteien an. Ihr implizites Versprechen lautet, die kulturellen und sozialen Grundlagen der bisherigen Mehrheit zu bewahren – und ihnen politischen Schutz zu verschaffen.
Forscher wie Ruud Koopmans, Liav Orgad und Eric Kaufmann argumentieren, dass Mehrheiten im liberal-demokratischen Denken lange eine Leerstelle geblieben sind. Der Fokus lag darauf, Macht zu begrenzen und insbesondere zu verhindern, dass Mehrheiten ihre Stellung zulasten von Minderheiten ausnutzen.
Doch zwei der großen progressiven Anliegen des späten 19. Jahrhunderts waren: das Wahlrecht auf alle Klassen und auf Frauen auszuweiten – und damit die moderne demokratische Mehrheit überhaupt erst zu schaffen – und zugleich den Minderheiten die gleichen Rechte zu sichern: Katholiken, Juden und Nonkonformisten in Großbritannien. Historisch gesehen standen Mehrheits- und Minderheitenrechte also nicht im Konflikt.
Erst im 20. Jahrhundert, unter dem Eindruck von Krieg und Genozid, verschob sich der Schwerpunkt: weg von Integration hin zum Schutz von Differenz. Mit der Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wurde die Gleichheit aller Menschen betont – und implizit das Recht, die eigene Lebensweise unabhängig vom Ort zu bewahren.
Vor dem Hintergrund erheblicher nichtwestlicher Einwanderung in westliche Gesellschaften in den 1960er und 1970er Jahren lautete die Botschaft liberaler oder laissez-faire Multikulturalität oft: „Kommt her und bleibt, wie ihr seid.“ Viele, überwiegend progressiv gesinnte Menschen, glaubten: Weil alle Kulturen Respekt verdienen, sei es falsch, Neuankömmlinge dazu zu drängen, sich an die gemeinsamen Normen und die Lebensweise der Mehrheitsgesellschaft anzupassen – abgesehen davon, das Gesetz zu befolgen und Steuern zu zahlen.
Das mag für Minderheiten, besonders aus traditionellen Gesellschaften, die in zunehmend pluralistische und liberale westliche Länder kamen, eine Form des Schutzes und der Anerkennung gewesen sein. Es war aber auch ein Rezept für eine ethnische Balkanisierung – wie die Beispiele Bradford, Leicester oder Luton zeigen – und nährte den Unmut innerhalb der Mehrheitsbevölkerung. Kaufmann spricht in diesem Zusammenhang von einem „asymmetrischen Multikulturalismus“: Während Minderheiten ihre kulturelle Identität ausdrücklich schützen dürfen, gilt dies für Mehrheiten weit weniger selbstverständlich.
Diese Asymmetrie wird meist mit zwei Argumenten verteidigt. Erstens: Mehrheiten bräuchten keinen besonderen Schutz, weil ihre Kultur ohnehin den öffentlichen Raum prägt – von Sprache und Bildung bis zu nationalen Ritualen. Zweitens: Eine einheitliche Mehrheitskultur existiere gar nicht mehr; moderne Gesellschaften seien zu plural, zu fragmentiert, um von „der“ Lebensweise sprechen zu können.
Der Soziologe Christian Joppke weist deshalb die Idee einer dominanten Ethnizität in Ländern wie Frankreich oder Deutschland zurück – und folgert zugleich, dass Mehrheiten keinen rechtlichen Schutz benötigen: Sie verfügten bereits über den demokratischen Prozess, während Rechte primär dem Schutz von Minderheiten dienten.
Tatsächlich tragen Individualisierung, Multikulturalismus und fragmentierte Medienöffentlichkeiten dazu bei, auch die Mehrheitsgesellschaft zu zersplittern. Die Lebenswelten driften auseinander – zwischen einem älteren Reform UK-Wähler in einer nordenglischen Kleinstadt und einer jungen Großstadtbewohnerin, die die Green Party wählt, liegen nicht nur geografische, sondern auch kulturelle Welten. Die offene Frage bleibt: Gibt es jenseits dieser Unterschiede noch genügend Gemeinsames, das eine Gesellschaft zusammenhält?
Offenbar ja. Denn gäbe es so etwas wie eine Lebensweise der ethnischen Mehrheit gar nicht – so vielfältig und schwer zu definieren sie auch sein mag –, würde niemand ihr Verschwinden beklagen.
Zwar denken viele Menschen heute vielleicht nicht mehr in ethnischen Kategorien – oder vermeiden zumindest diese Sprache. Offene Bezugnahmen auf „weiß-britische“ Identität stoßen in der politischen Mitte eher auf Ablehnung. Gleichzeitig halten breite Mehrheiten an der Idee nationaler Solidarität fest und erwarten, dass sich Zugewanderte und etablierte Minderheiten über rein ökonomische Vorteile hinaus mit der Gesellschaft identifizieren.
Zudem gerät das zentrale Argument des asymmetrischen Multikulturalismus zunehmend unter Druck: die Annahme, die Mehrheitskultur sei ohnehin allgegenwärtig. In vielen Stadtteilen ist sie das längst nicht mehr – weder sprachlich noch institutionell. Hinzu kommen wachsende Klagen über eine „Zwei-Klassen-Justiz“: die empfundene Privilegierung mancher Minderheiten im Namen des sozialen Friedens, besonders von Muslimen. In Großbritannien schlug der Grooming-Gang-Skandal hohe Wellen, ebenso die jüngste Affäre um Maccabi Tel Aviv.
Dass diese Entwicklung politisch relevant ist, zeigt sich daran, dass ein erheblicher Teil der Mehrheitsbevölkerung den Verlust vertrauter Strukturen als real empfindet – manche sogar als existenzielle Bedrohung. Anders als viele Minderheiten verfügen sie über keine alternativen Bezugspunkte außerhalb des Landes. Gleichzeitig fehlt es ihnen bislang an klarer politischer Organisation. Parteien, die explizit ethnische Interessen vertreten, sind in Großbritannien selten. Doch das politische Selbstbewusstsein der Mehrheit – insbesondere der Engländer – wächst sichtbar, je stärker ihr Status als dominante Gruppe infrage gestellt wird.
Wie soll dieses wachsende Selbstbewusstsein kanalisiert werden? Sollten liberale Gesellschaften stärker darüber nachdenken, wie sie Mehrheitskulturen verteidigen – oder zumindest ihren Niedergang verlangsamen? Kann es so etwas geben wie ein Recht, Mehrheit zu bleiben?
Ein rechtlicher Sonderstatus für Mehrheiten wäre weder praktikabel noch wünschenswert. Der Staat ist kein Besitz einer ethnischen Gruppe, und das Recht sollte grundsätzlich neutral gegenüber Mehrheits- oder Minderheitenstatus bleiben – auch wenn es in Einzelfällen Ausnahmen für Minderheiten gibt.
Zwar ließen sich punktuell Regelungen denken, etwa zum Schutz der gemeinsamen Sprache oder bestimmter nationaler Rituale. Ein generelles Recht auf Bewahrung des Mehrheitsstatus jedoch wäre politisch spaltend und kaum durchsetzbar. Sinnvoller ist es, die damit verbundenen Sorgen nicht als juristische Ansprüche zu behandeln, sondern als legitime Interessen – Interessen, die in der demokratischen Mitte stärker aufgegriffen und politisch bearbeitet werden müssten.
Wie sich diese Interessen konkret ausdrücken, wird sich letztlich im politischen Alltag herausbilden – abhängig von regionalen Gegebenheiten und gesellschaftlichen Mehrheiten. Ein Anspruch darauf, in einer bestimmten Nachbarschaft dauerhaft die dominante Gruppe zu bleiben, lässt sich in einer liberalen Ordnung kaum rechtfertigen. Er würde Eingriffe in die freie Wohnortwahl erfordern, die schnell autoritäre Züge annähmen – auch wenn einzelne Länder wie Dänemark oder Singapur versuchen, solche Entwicklungen indirekt zu steuern.
Gleichzeitig gehört ein Mindestmaß an Stabilität und Planbarkeit zum Kernversprechen moderner Politik. Bürger erwarten, ihr Lebensumfeld nicht als permanenten Umbruch zu erleben. Genau dieses Versprechen gerät unter Druck, wenn sich die Politik gleichgültig gegenüber hoher Zuwanderung zeigt.
Dabei ist Stabilität nicht gleichbedeutend mit ethnischer Homogenität – und sie ist kein exklusives Anliegen der Mehrheitsbevölkerung. Auch Minderheiten reagieren sensibel auf rasche Veränderungen, etwa wenn angestammte Viertel durch andere Gruppen verdrängt werden oder neue Konkurrenz um knappe Ressourcen entsteht. Die Frage nach sozialer Stabilität stellt sich damit für die Gesellschaft insgesamt – nicht nur für einzelne Gruppen.
Multi-ethnisch, nicht multikulturell
Welche Politik könnte Menschen also beruhigen, dass ihr Wohnort am Ende eher wie Abingdon und weniger wie Bradford wird – sprich, die Entwicklung eher in Richtung moderat gemischter Städte verläuft als hin zu stark segregierten Strukturen? Hier einige Ansatzpunkte: eine über längere Zeit niedrigere Zuwanderung, um demografische Veränderungen berechenbarer zu machen; eine stärker qualifizierte Zuwanderung, also die gezielte Anziehung von Migranten, die sich schneller in bestehende Strukturen integrieren; eine klarere Integrationspolitik: mehr Gewicht auf gemeinsame Normen statt auf Diversität und Differenz sowie das Auslaufen jeder Form von Affirmative Action; eine einheitliche Amtssprache sowie eine stärkere Vermittlung einer gemeinsamen, integrierenden nationalen Erzählung – etwa in Schulen und im öffentlichen Raum.
Auch sozialpolitisch stehen Fragen der Prioritätensetzung im Raum, etwa beim Zugang zu Wohnraum und Sozialleistungen, die stärker an Staatsbürgerschaft oder Aufenthaltsdauer geknüpft werden (und langfristig eine Rückkehr zu einem stärker beitragsbasierten Wohlfahrtsstaat). Hinzu kommt die Stärkung sozialer Infrastruktur – die Subventionierung klassischer Treffpunkte wie Pubs bis hin zu besseren staatlichen Daten über Migration und Aufenthaltsstatus, um Steuerung überhaupt zu ermöglichen.
Ein weitergehender Punkt, den etwa David Willetts betont: Auch die migrationspolitische Neuausrichtung nach dem Brexit ist demografisch problematisch gewesen. Statt stärker auf Zuwanderung aus kulturell näherstehenden europäischen Ländern wie Rumänien oder Polen zu setzen, hat sich Großbritannien mehr für Somalis oder Pakistaner geöffnet – eine Entwicklung, die korrigiert werden sollte.
Nicht alle politischen Ziele lassen sich jedoch einfach per Gesetz durchsetzen, und viele Maßnahmen wären kostspielig. Weichere Instrumente wie klug gesetzte Anreize („nudges“) könnten dazu beitragen, Integration entlang gemeinsamer Normen zu fördern und das Bewusstsein für gemeinsame Interessen zu stärken – etwa das Ziel, für die nächste Generation bessere Lebensbedingungen zu schaffen.
Der Sozialpsychologe Jonathan Haidt formuliert es so: „Man kann Menschen dazu bringen, sich weniger um Rasse zu kümmern, indem man Unterschiede in einem Meer von Ähnlichkeiten, gemeinsamen Zielen und wechselseitigen Abhängigkeiten ertränkt.“
Viele dieser Vorschläge sind seit Jahrzehnten Gegenstand von Debatten und Kommissionen – umgesetzt wurde bislang jedoch wenig. Das liegt zum einen an rechtlichen Grenzen, zum anderen an einem liberalen Politikverständnis, das fast ausschließlich auf individuelle Rechte fokussiert. Dabei sind Gesellschaften mehr als die Summe einzelner Individuen: Sie werden auch von kollektiven Bindungen geprägt, die politisch oft unausgesprochen bleiben – nicht zuletzt aus der politischen Sorge, Minderheiten zu benachteiligen.
Der Wunsch, vertraute Lebensweisen zu bewahren, ist dabei in der Regel defensiv, nicht aggressiv motiviert. Er richtet sich prinzipiell nicht gegen etablierte Minderheiten oder deren Rechte. Im Gegenteil: In vielen Fragen des Zusammenlebens überschneiden sich die Interessen von Mehrheiten und Minderheiten. Konflikte entstehen eher dort, wo Integrationsvorstellungen auseinandergehen oder einzelne religiöse oder ethnische Gruppen – insbesondere orthodoxe Muslime – auf Abgrenzung setzen.
Dass die etablierte Politik die Sorgen der Mehrheitsbevölkerung nicht ernst genug nimmt, ist politisch riskant. Es schafft ein Vakuum, das von populistischen und rechtsextremen Akteuren gefüllt werden kann.
Das zeigt sich auch in den USA: Der Aufstieg von Donald Trump ist kaum zu verstehen ohne den demografischen Wandel – nicht-hispanische Weiße stellen inzwischen nur noch rund 55 Prozent der Bevölkerung. Für viele Angehörige dieser Gruppe ist das nicht nur eine statistische Entwicklung, sondern wird als kultureller Bedeutungsverlust empfunden – bis hin zu symbolischen Irritationen im Alltag.
Man kann das Ganze aber auch anders lesen: Vielleicht ist die Debatte über Mehrheiten längst ein Auslaufmodell – ein Schwanengesang der nationalen Identität in hochdiversen, stark individualisierten Gesellschaften. Mit wachsender Bildung und Mobilität lösen sich für manche Menschen Bindungen an Herkunft, Ort und Geschichte auf; Identität wird stärker aus dem Individuum selbst bezogen. Für einen Teil der kosmopolitischen „Anywheres“ gilt das bereits. Ob sich dieser Trend jedoch auf breite Mehrheiten überträgt, erscheint zumindest zweifelhaft.
Doch selbst wenn ethnische Mehrheiten ihren Status verlieren und nur noch die größte unter mehreren Gruppen sind, bleibt eine grundlegende Frage: Lässt sich ein starkes Gefühl gemeinsamen Interesses und gegenseitiger Rücksicht in einer solchen Gesellschaft aufrechterhalten?
Gerade für Wohlfahrtsstaaten ist das entscheidend. Wird es weiterhin möglich sein, hohe Steuern und Umverteilung politisch durchzusetzen, ohne den Solidaritätsreflex, den der Hintergrund einer ethnischen Mehrheit stiftet? Oder drohen stärker fragmentierte Gemeinwesen, wie sie sich in Ansätzen bereits in manchen Städten zeigen – mit lokalem Kommunalismus und Konflikten um Ressourcen? Vielleicht sogar eine Rückkehr zu offenem Rassismus, der in sozialen Medien ohnehin zunehmend sichtbar ist?
In Teilen Großbritanniens wird die säkulare, individualistische Kultur der Mehrheit heute von eng vernetzten, untereinander hoch-solidarischen religiösen Kulturen verdrängt. Clan-Strukturen wie die Biraderi-Netzwerke sind die unerwünschte Schattenseite des multiethnischen Landes. Die künftige Herausforderung besteht darin, zwei Entwicklungen gleichzeitig auszubalancieren: hier die wiedererstarkende Mehrheitsidentität – in manchen Gegenden bisweilen mit einem hässlich ethno-nationalistischem Gesicht – dort ein wachsender und zunehmend selbstbewusster islamischer Konservatismus.
Niemand kann vorhersagen, wie sich diese Dynamik entwickelt. Die Geschichte zeigt jedoch, dass schrumpfende Mehrheiten zu Gegenreaktionen neigen – teils scharf und konfliktträchtig, wie Beispiele aus Osteuropa oder Nordirland belegen.
Gerade deshalb ist politisches Augenmaß gefragt. Die entscheidende Frage wird sein, ob es gelingt, eine nationale Gemeinschaft zu stabilisieren, die einerseits mehrheitskompatibel bleibt, andererseits aber die Realität ethnischer Vielfalt integriert. Eine Ordnung also, die einige bindende Effekte traditioneller Mehrheitskulturen bewahrt – gemeinsame Normen, Solidarität, Zugehörigkeit –, ohne auf ethnische Dominanz angewiesen zu sein.
Für viele – gerade im linken Spektrum – gilt schon der Begriff des Nationalen als überholt, unzeitgemäß oder gleich als politisch verdächtig. Doch das greift zu kurz. Eine tragfähige nationale Erzählung, die unterschiedliche Lebensrealitäten integriert, bleibt ein anspruchsvolles Projekt: Sie müsste in Sprache und Symbolik breit anschlussfähig sein, den historischen Kern nicht verleugnen, ihn aber zugleich über sich hinaus öffnen.
Eine solche Erzählung wäre kein Rückgriff, sondern ein Versuch politischer und kultureller Integration unter veränderten Bedingungen – ambitioniert, vielleicht sogar utopisch. Bisher allerdings ist sie kaum überzeugend formuliert worden. Versuche aus der Politik – etwa unter Gordon Brown mit dem Konzept der „Britishness“ – sind letztlich versandet.
Wie der australische Autor Lorenzo Warby argumentiert, müsste eine solche Erzählung multiethnisch sein, nicht multikulturell. Als anschauliches Beispiel dient ihm ein unscheinbares Vorstadtcafé in Melbourne.
„Das lokale Café, in das ich am häufigsten gehe, liegt im sehr westlichen Melbourne. Es ist ein gewöhnliches Café in einem lokalen Vorstadt-Einkaufszentrum. Seine Kundschaft repräsentiert die enorme ethnische Vielfalt der Gegend. Es wird von einer chinesisch-australischen Familie geführt, von der manche einen sehr australischen Akzent haben. Zu den Gästen gehören Ostafrikaner, Südasiaten (Sikhs, Hindus, Muslime), Ostasiaten, Bewohner pazifischer Inseln, Mitteleuropäer, Anglo-Kelten.
So ist das Café sehr multiethnisch. Es ist jedoch nicht multikulturell. Menschen mögen von mehreren Kontinenten und Inselketten kommen, aber sie alle folgen anglo-keltischen Normen. Sie stehen an, sie interagieren, sie zeigen Höflichkeiten nach anglo-keltischen Normen. Während sie ihren Geschäften nachgehen, spucken sie nicht auf den Boden. Sie werfen keinen Müll weg. Der Ort und sein Umfeld fühlen sich sehr australisch an.
Warum? Weil die australische Migrationspolitik so funktioniert. Migranten, die nach Australien kommen, sind im Durchschnitt besser gebildet als im Land Geborene. Außerdem verteilen sie sich auf viele kleine Gruppen. Anglo-Kelten sind in der Gegend vielleicht keine Mehrheit – nicht einmal unter den Kunden –, aber sie sind mit Abstand die größte Gruppe. Also orientieren sich die verschiedenen Migrantengruppen an den Normen der Anglo-Kelten.“
Als Modell gedacht, markiert dieses Beispiel eine mögliche Richtung: eine Gesellschaft, die Vielfalt zulässt, ohne ihre verbindenden Normen aufzugeben. Eine solche Perspektive könnte jene zusammenbringen, die den Rückgang traditioneller Mehrheiten für politisch irrelevant halten – und jene, die ihn als zentrales Problem begreifen. Denn genau entlang dieser Frage verläuft zunehmend eine der wichtigsten, wenn auch oft unausgesprochenen Konfliktlinien der britischen Politik.
Dieser Text ist eine Bearbeitung eines Essays aus dem Sammelband Majorities, Minorities and the Future of Nationhood (Cambridge University Press 2023), herausgegeben von Liav Orgad und Ruud Koopmans.