Trübe Aussichten, fragile Stabilisierung: Deutschlands Wirtschaft im Frühjahr 2026
Iran-Krieg, einbrechender Export, Rekordinsolvenzen und ein schwächelnder Arbeitsmarkt – die deutsche Wirtschaft ist einer Kumulation von Belastungen ausgesetzt, die sich wechselseitig verstärken. Der ifo-Geschäftsklimaindex signalisiert im Mai eine fragile Bodenbildung, doch eine Trendwende ist das noch lange nicht.
- Drastische Absenkung der Konjunkturprognosen für Deutschland und die Eurozone durch EU-Kommission und Bundesregierung
- ifo-Geschäftsklimaindex steigt im Mai leicht auf 84,9 Punkte
- Einbruch der deutschen Exporte in die USA und nach China; strukturelle Krise des Exportmodells
- Ausländische Direktinvestitionen auf den niedrigsten Stand seit der Finanzkrise 2009
- Rekordniveau bei Unternehmensinsolvenzen, neue Höchstwerte in Hotel, Gastronomie und Wohnungswirtschaft
- Gastgewerbeumsätze auf dem niedrigsten Stand seit März 2022
- Arbeitslosigkeit überschreitet erstmals seit 15 Jahren Drei-Millionen-Marke
Deutschlands Wirtschaft gerät weiter unter Druck. Die EU-Kommission halbierte ihre Wachstumserwartung für 2026 auf nur noch 0,6 Prozent. Auch für die Eurozone wurde die Prognose deutlich gesenkt. Gleichzeitig dürfte die Inflation im Euroraum auf drei Prozent steigen – deutlich über dem EZB-Ziel. Mit dem Iran-Krieg erlebt Europa binnen sechs Jahren bereits den dritten schweren Wirtschaftsschock nach Pandemie und Ukrainekrieg. Aus der erhofften Erholung droht damit erneut eine Phase der Stagflation zu werden.
Haupttreiber der Entwicklung ist die faktische Blockade der Straße von Hormus, die Öl- und Gaspreise massiv verteuert hat. EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis warnte bereits vor einem schweren Energieschock. Sollte der Konflikt anhalten, könnten sich die ohnehin deutlich gesenkten Wachstumsprognosen nochmals nahezu halbieren. Die Bundesregierung erwartet nach ihrer Korrektur vom April nur noch 0,5 Prozent Wachstum, das Institut der deutschen Wirtschaft sogar lediglich 0,4 Prozent. Aus dem Bundeswirtschaftsministerium heißt es, aktuelle Indikatoren deuteten auf einen „deutlichen Dämpfer“ im zweiten Quartal hin. Eine Frühjahrsbelebung bleibt aus, selbst die zuletzt gestiegenen Industrieaufträge gelten eher als Vorzieheffekt denn als Zeichen einer nachhaltigen Erholung.
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