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Entlastungspaket: gut 9 Euro weniger fürs Tanken

| 15. April 2026
IMAGO / Jan Huebner

Trumps Blockade der Straße von Hormus treibt die Ölpreise über 100 Dollar und heizt die Inflation an. Während die Spritkosten steigen, bringt das Entlastungspaket der Bundesregierung dem Durchschnittsbürger nur wenige Euro.

Wie reagiert man auf eine Blockade? Offenbar mit einer weiteren. So die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump am Sonntag auf seinem sozialen Netzwerk Truth Social: Die USA würden nach gescheiterten Verhandlungen mit dem Iran Maßnahmen in der Straße von Hormus ergreifen.

Konkret wies Trump die US-Marine an, Schiffe abzufangen, die bislang Transitgebühren an den Iran entrichtet hatten. Zugleich drohte er, iranische Kräfte im Falle von Angriffen auf US-Einheiten oder zivile Schiffe „zur Hölle zu jagen“.

Die Ankündigung hatte unmittelbare Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Da die Straße von Hormus die wichtigste Schlagader für den globalen Öl- und Gashandel ist – rund 20 Prozent des weltweiten Erdöls und 30 Prozent des Flüssiggases passieren sie – reagierten die rohstoffrelevanten Terminmärkte heftig, insbesondere die Rohöl-Futures:

Während die New Yorker Terminbörse am Freitag mit einem Brent-Rohöl-Preis von 94,45 US-Dollar pro Barell schloss, öffnete sie Montag mit über 102,17 US-Dollar (plus 12 Prozent). Das wichtigste Öl für den westeuropäischen Markt knackte also die finanzpsychologisch so wichtige Marke von 100 US-Dollar – zum ersten Mal seit über 3,5 Jahren.

Die auch schon vorher gestiegenen Preise für Öl und Erdölprodukte drücken sich im Verbraucherpreiseindex aus: Im Vorjahresvergleich stieg dieser Februar auf März um 1,4 Prozentpunkte auf 2,7 Prozent an. Ruth Brand, Präsidentin des Statistischen Bundesamtes, betätigte den Irankrieg als wichtigen Inflationstreiber:

"Die deutlichen Preissteigerungen bei den Energieprodukten treiben die Inflation. Insbesondere Kraftstoffe und Heizöl haben sich für die Verbraucherinnen und Verbraucher seit Beginn des Iran-Kriegs sprunghaft verteuert".

Das spiegelt sich insbesondere in den Preisen für Autofahrer wider, die im März um 6,7 Prozent höher als im Vorjahresmonat lagen. Insbesondere Kraftstoffe hat im 20 Prozent Preissteigerung hart getroffen (Diesel: plus 29,7 Prozent, Super: plus 17,3 Prozent).

Da der Hauptinflationstreiber die gestiegenen Spritpreise sind, zielt das Entlastungspaket, welches die Bundesregierung am Monat vorstellte, neben einer steuer- und abgabenfreien Sonderzahlung von 1.000 Euro für Unternehmen an Beschäftigte auch auf die Spritpreise: Eine zweimonatige Senkung der Mineralölsteuer um circa 17 Cent pro Liter Benzin und Diesel soll "Bürgerinnen und Bürger sowie die Unternehmen an der Tankstelle um rund 1,6 Milliarden Euro" entlasten.

Der Summe von 1,6 Milliarden Euro dürfte eine einfache Rechnung zugrunde liegen: Der durchschnittliche Verbrauch an Diesel und Benzin liegt jährlich bei circa 55 Milliarden Liter, in zwei Monaten also bei 9,16 Milliarden Litern. Multipliziert man diese Zahl mit der Steuersenkung von 0,17 Euro pro Liter, kommt an auf 1,56 Milliarden Euro, also gerundet auf 1,6 Milliarden Euro. Das macht pro Bürger eine monatliche Entlastung von 9,29 Euro oder 0,36 Prozent des durchschnittlichen Nettolohns (gerechnet mit 2600 Euro).

Die Berechnung beruht auf der impliziten Annahme der Regierung, dass der Tankrabatt vollständig zum Endverbraucher durchgereicht wird. Das ist zwar eine "Laborannahme", die aber Studien zum Tankrabatt von 2022 zu bestätigen scheinen: Das Bundeskartellamt konstatiert eine "überwiegende" Weitergabe und das ifo-Institut hat ermittelt, dass Ölkonzerne ihn bei Diesel um 100 Prozent und bei Benzin um 85 Prozent weitergereicht haben.

Der Tankrabatt ist zwar relativ zum Einkommen gering, dafür aber zielgenau – nicht nur was die Weitergabe betrifft, sondern auch die Proportionalität:  Wer nicht fährt, weil er keinen Verbrenner hält, bekommt keinen Cent, wer viel tankt, umso mehr.

Dennoch dürfte der Druck auf die Bundesregierung, noch größere Entlastungsmaßnahmen zu ergreifen, angesichts der sich abzeichnenden preislichen Entwicklungen steigen. Bedingt durch die Kriegshandlungen im Iran und im Nahen Osten waren die Großhandelsverkaufspreise im März um 4,1 Prozent größer als im Vorjahresmonat – der höchste Stand seit drei Jahren.  Die Verkaufspreise im Großhandel sickern erfahrungsgemäß zu den Verbraucherpreisen nach gewisser Zeit durch.

Entscheidend für die weitere Preisentwicklung ist, ob und wann es im Iran zu einer Verhandlungslösung kommt. Doch die ist angesichts von Trumps erratischen Agieren kaum abzusehen. Die globale Verunsicherung ist Gift für das wirtschaftliche Klima.